Fondsmanager schlagen den Markt – Mythos oder Realität?

Lesedauer: 15 Min
Aktualisiert: 12. März 2026 21:06

Die Antwort lautet: Im Durchschnitt und über längere Zeiträume eher Mythos. In einzelnen Jahren, einzelnen Segmenten und bei einzelnen Personen ist es durchaus Realität. Der Haken besteht nur darin, dass diese Gewinner vorab nur sehr schwer zuverlässig zu erkennen sind und dass Kosten, Steuern, Fehleinschätzungen und mangelnde Beständigkeit den Vorsprung vieler aktiver Fonds wieder auffressen. 

Genau deshalb hält sich die Debatte seit Jahrzehnten. Fast jeder Anleger kennt Geschichten über brillante Fondsmanager, die Krisen früh erkannt, einzelne Aktien richtig gewichtet oder schwache Marktphasen besser überstanden haben. Solche Fälle gibt es tatsächlich. Gleichzeitig zeigen große Langfristvergleiche immer wieder, dass die Mehrheit aktiver Fonds nach Kosten hinter ihrer Benchmark oder hinter passiven Vergleichsprodukten zurückbleibt. 

Wer dieses Thema bber einordnen will, sollte deshalb nicht in Schwarz-Weiß denken. Die Frage ist nicht, ob es überhaupt erfolgreiche aktive Manager gibt. Die gibt es. Die wichtigere Frage lautet, ob ein normaler Anleger sie rechtzeitig findet, ob sie ihren Vorsprung über viele Jahre halten und ob dieser Vorsprung nach allen Kosten noch bei ihm ankommt. Genau an dieser Stelle kippt die Antwort oft von faszinierend zu ernüchternd. 

Warum der Mythos so hartnäckig ist

Aktives Fondsmanagement klingt intuitiv überzeugend. Wenn es sehr gute Analysten, erfahrene Portfoliomanager und tiefe Unternehmenskenntnis gibt, warum sollte dann nicht jemand den Markt schlagen können? Diese Überlegung ist nachvollziehbar. Märkte sind schließlich keine Maschinen, sondern von Erwartungen, Fehlern, Emotionen und Informationen geprägt.

Dazu kommt ein psychologischer Punkt. Anleger erinnern sich stärker an spektakuläre Gewinner als an viele stille Verlierer. Ein Fonds, der in einer Krise früh defensiv wurde oder eine große Wachstumswelle rechtzeitig erwischt hat, bleibt im Gedächtnis. Die zahlreichen Produkte, die mittelmäßig liefen, verschwanden, fusionierten oder einfach langsam zurückfielen, ziehen deutlich weniger Aufmerksamkeit auf sich. Genau deshalb wirkt aktives Management oft erfolgreicher, als es im breiten Durchschnitt tatsächlich war. 

Außerdem wird Leistung oft mit kurzfristigem Erfolg verwechselt. Wer ein oder zwei starke Jahre hatte, wird schnell als Beleg dafür gesehen, dass aktives Management funktioniert. Langfristige Vergleiche zeigen aber regelmäßig, dass die Quote der Outperformance mit jedem längeren Zeitraum sinkt. Ein starker Lauf ist also nicht automatisch der Beginn einer dauerhaften Überlegenheit, sondern oft nur eine Phase innerhalb eines längeren, deutlich unruhigeren Musters. 

Was die großen Langfristdaten tatsächlich zeigen

Die sauberste Antwort auf die Grundfrage kommt nicht aus Einzelfällen, sondern aus breiten Vergleichen. Genau dort fällt das Bild ziemlich eindeutig aus. In der SPIVA Europe Year-End 2024 Scorecard lag in den großen internationalen Aktienkategorien eine klare Mehrheit aktiver Fonds hinter der Benchmark. Bei europäischen Aktienfonds betrugen die Underperformance-Raten 70 Prozent in den Pfund-Kategorien und 85 Prozent in den Euro-Kategorien. Bei auf US-Aktien fokussierten europäischen Fonds lagen die Quoten bei 79 beziehungsweise 82 Prozent, bei Emerging-Markets-Fonds bei 68 und 72 Prozent. 

Noch härter wird das Bild über lange Horizonte. In der SPIVA Europe Mid-Year 2025 Scorecard stiegen die Underperformance-Raten in mehreren großen Aktienkategorien über zehn Jahre auf extrem hohe Werte. Bei eurobasierten Global-Equity-Fonds lagen sie bei 98 Prozent, bei pfundbasierten Global-Equity-Fonds bei 97 Prozent. Bei eurobasierten U.S.-Equity-Fonds waren es 97 Prozent, bei pfundbasierten 94 Prozent. Das ist kein knapper Rückstand der Hälfte, sondern ein sehr deutlicher Langfristtrend. 

Auch in den USA sieht das Bild nicht freundlicher aus. In der SPIVA U.S. Year-End 2025 Scorecard underperformten 79 Prozent aller aktiven Large-Cap-U.S.-Equity-Fonds den S&P 500. Selbst in Mid-Cap- und Small-Cap-Kategorien lag die Underperformance-Quote noch bei 55 beziehungsweise 41 Prozent. Bei internationalen und globalen Aktienfonds lagen die Quoten ebenfalls mehrheitlich über 60 Prozent. 

Morningstar kommt mit einem anderen Vergleichsmaßstab zu einem ähnlichen Grundmuster. Im U.S. Active/Passive Barometer Year-End 2025 überlebten und schlugen nur 38 Prozent der aktiven Strategien ihre durchschnittlichen passiven Pendants im Jahr 2025. Über den Zehnjahreszeitraum bis Juni 2025 schafften das nur 21 Prozent. In den drei großen US-Large-Cap-Kategorien überlebten und gewannen über diesen Zehnjahreszeitraum sogar nur 8 Prozent. 

Wenn man also die Frage breit, nüchtern und nach Kosten betrachtet, ist die Aussage klar: Es gibt Outperformance, aber sie ist nicht die Normalität. Die Normalität ist, dass eine Mehrheit aktiver Fonds den Markt nicht schlägt. Genau deshalb ist die Vorstellung, geschicktes Management sei im Massengeschäft fast automatisch überlegen, statistisch nicht haltbar. 

Warum Kosten einen so großen Unterschied machen

Ein aktiver Fonds muss nicht nur gut sein. Er muss gut genug sein, um seinen Kostennachteil zu überwinden. Genau darin liegt einer der größten Knackpunkte. Denn schon bevor ein Manager einen einzigen Titel auswählt, startet er gegenüber einem günstigen Indexprodukt häufig mit einem Nachteil bei laufenden Gebühren, Handelskosten und manchmal auch bei Steuerfolgen.

ESMA hat für den europäischen Retailmarkt ausdrücklich festgehalten, dass aktive Aktien- und Anleihen-UCITS höhere Kosten als passive Fonds und UCITS-ETFs aufwiesen und dass diese höheren Kosten zu einer Netto-Unterperformance aktiver Fonds gegenüber passiven Produkten führten. Im gleichen Bericht zeigte eine stilisierte Zehnjahresanlage von 10.000 Euro in ein Portfolio aus Aktien-, Anleihe- und Mischfonds einen Endwert von 18.500 Euro nach 3.000 Euro Kosten; inflationsbereinigt sank der Nettowert auf rund 16.500 Euro. 

Morningstar formulierte das im Frühjahr 2025 sehr direkt: Zu viele aktive Fonds seien „priced to fail“. In dem Beitrag wurde unter anderem darauf verwiesen, dass der durchschnittlich überlebende aktive Large-Blend-Fonds sein passives Vergleichsportfolio über die zehn Jahre bis Ende 2024 um rund 1,9 Prozent pro Jahr verfehlte. Das ist kein kleiner Schönheitsfehler, sondern über längere Zeit ein erheblicher Renditeunterschied. 

Gerade deshalb reicht es nicht, nur auf Bruttorenditen oder einzelne starke Jahre zu schauen. Ein Fondsmanager kann mit seiner Auswahl durchaus Mehrwert erzeugen. Aber sobald dieser Mehrwert kleiner ist als Gebühren, Handelskosten und andere Reibungsverluste, kommt beim Anleger kein echter Vorsprung mehr an. Das ist einer der Hauptgründe, warum die Theorie aktiver Überlegenheit so viel besser klingt als die Statistik nach Kosten aussieht. 

Der größte Haken: Gewinner von gestern bleiben oft nicht Gewinner von morgen

Selbst wenn man akzeptiert, dass einige Fondsmanager den Markt schlagen, bleibt das eigentliche praktische Problem bestehen: Wie erkennt man sie vorher? Genau hier wird die Lage besonders unbequem. Denn viele Anleger wählen aktive Fonds auf Basis bisheriger Performance. Die Daten zur Persistenz sprechen dabei eher gegen diese Vorgehensweise.

Die S&P Persistence Scorecard Europe Year-End 2024 zeigt, wie schwach sich Spitzenplätze häufig halten. Bei Global-Equity-Fonds blieben von den Fonds, die zu Beginn im Top-Quartil lagen, bis Ende 2024 nur 7,41 Prozent dauerhaft im Top-Quartil. Bei U.S.-Equity-Fonds waren es 7,65 Prozent, bei Emerging-Markets-Fonds 6,83 Prozent. Bei Europe Equity lag der Wert in dieser Darstellung sogar bei 0,00 Prozent. 

Auch auf kürzeren Vergleichsebenen sieht das nicht nach stabiler Überlegenheit aus. In den Drei-Jahres- und Fünf-Jahres-Übergangsmatrizen wechseln Fonds häufig zwischen oberen und unteren Hälften oder verschwinden ganz durch Fusion oder Liquidation. Anders gesagt: Selbst wer heute richtig liegt, hat noch lange keine Garantie, dass derselbe Fonds in drei oder fünf Jahren noch zu den Gewinnern zählt. 

Das ist für die Praxis fast wichtiger als die reine Underperformance-Quote. Denn ein Anleger muss nicht nur wissen, dass gute Manager existieren. Er muss sie früh genug auswählen und dann trotz unvermeidlicher Schwächephasen durchhalten. Wenn Outperformance aber statistisch nur schwach persistent ist, wird das zu einer sehr schwierigen Aufgabe.

Warum manche Fondsmanager trotzdem wirklich Mehrwert liefern

Die Debatte wäre zu grob geführt, wenn man aktive Manager pauschal als chancenlos abtun würde. Es gibt Marktsegmente, in denen aktives Management besser abschneidet als im breiten Large-Cap-Kerngeschäft. Weniger effiziente Märkte, kleinere Segmente, Spezialthemen, manche Teile des Anleihemarkts oder Phasen mit starken Marktverwerfungen können tatsächlich mehr Spielraum für gutes Management bieten. 

Morningstar zeigt genau solche Nischen. Im Beitrag vom 2. Januar 2026 lag die Einjahres-Erfolgsquote aktiver Manager in der Euro-Geldmarkt-Kategorie Mitte 2025 bei 68,6 Prozent und blieb auch über drei und fünf Jahre hoch. Schon im April 2025 hatte Morningstar zudem darauf hingewiesen, dass bei aktiv gemanagten US-Immobilienfonds über den Zehnjahreszeitraum bis Ende 2024 immerhin 47 Prozent überlebten und ihre durchschnittlichen passiven Pendants schlugen. Das ist noch immer keine sichere Überlegenheit, aber deutlich näher an einem offenen Rennen als im klassischen US-Large-Cap-Bereich. 

Auch SPIVA Europe Mid-Year 2025 zeigt, dass es kurzfristige Lichtblicke geben kann. In H1 2025 underperformten nur 36 Prozent der eurobasierten Emerging-Equity-Fonds und nur 32 Prozent der Frankreich-Aktienfonds, während dänische Aktienfonds in diesem kurzen Zeitraum sogar eine Underperformance-Rate von 0 Prozent aufwiesen. Das ändert nichts am Langfristmuster, zeigt aber, dass aktives Management in bestimmten Marktphasen durchaus ein reales Fenster haben kann. 

Die nüchterne Schlussfolgerung lautet deshalb nicht, dass aktives Management unmöglich wäre. Sie lautet, dass aktives Management selektiv Chancen haben kann, aber eben nicht flächendeckend und nicht dauerhaft zuverlässig genug, um daraus eine einfache Standardstrategie für breite Kernanlagen abzuleiten.

Warum breite, effiziente Märkte für Fondsmanager besonders schwer sind

Je größer, liquider und intensiver analysiert ein Markt ist, desto schwerer wird es, dort nach Kosten dauerhaft besser zu sein als der Durchschnitt. Große US-Aktien sind das klassische Beispiel. Tausende Analysten, institutionelle Investoren, Quant-Modelle und laufende Unternehmensbeobachtung sorgen dafür, dass viele Informationen schnell in die Kurse einfließen.

Genau deshalb sind die Ergebnisse in den großen Large-Cap-Kategorien so ernüchternd. Morningstar berichtet für die drei US-Large-Cap-Kategorien nur 8 Prozent Zehnjahres-Erfolgsquote gegenüber passiven Peers bis Juni 2025. SPIVA meldet für aktive Large-Cap-U.S.-Fonds 79 Prozent Underperformance im Jahr 2025. In solchen Marktsegmenten braucht es also nicht nur gute Analyse, sondern außergewöhnlich gute Analyse, die auch nach Kosten und über viele Jahre noch sichtbar bleibt. 

Für Anleger ist das ein entscheidender Denkpunkt. Wer ein aktives Produkt im am stärksten beobachteten, günstigsten und liquidesten Marktsegment kauft, setzt gegen eine besonders hohe Hürde. Das kann aufgehen. Die Statistik spricht aber klar dafür, dass es im Durchschnitt nicht aufgeht.

Der Überlebensfehler verfälscht viele Erfolgsgeschichten

Ein weiterer Grund, warum aktives Management in Erzählungen oft besser aussieht als in Langfriststudien, ist der Überlebensfehler. Anleger sehen meist die Fonds, die heute noch existieren und gute Renditekurven vorweisen können. Fonds, die schlecht liefen und später geschlossen, verschmolzen oder umbenannt wurden, tauchen in diesem Bild viel seltener auf.

SPIVA berücksichtigt genau diesen Punkt ausdrücklich und arbeitet ohne Survivorship Bias. In der Europe Mid-Year 2025 Scorecard lag die beobachtete Zehnjahres-Überlebensquote nur bei 58 Prozent für alle Aktienfonds und 54 Prozent für alle Anleihefonds. Anders gesagt: Ein erheblicher Teil der Ausgangsmenge war am Ende gar nicht mehr in derselben Form da. 

Das ist wichtig, weil viele scheinbar überzeugende Fondsvergleiche sonst zu freundlich ausfallen. Wenn nur die Überlebenden betrachtet werden, wirkt aktives Management automatisch besser, als es die reale Auswahl eines Anlegers zu Beginn tatsächlich gewesen wäre. Wer sauber vergleichen will, muss deshalb immer die verschwundenen Produkte mitdenken.

Was aktive Fonds in schwachen Marktphasen besser können sollen

Ein häufiges Argument für aktive Manager lautet, dass sie in schwierigen Börsenphasen Risiken steuern, Kassenbestände erhöhen, defensiver werden oder Problembranchen meiden können. Diese Fähigkeit kann im Einzelfall sehr wertvoll sein. Gerade in Krisenjahren oder in Marktsegmenten mit starken Bewertungsunterschieden kann aktives Handeln tatsächlich Schutz bieten.

Der Punkt ist nur: Auch diese Fähigkeit ist ungleich verteilt. Es reicht nicht, dass aktive Manager theoretisch reagieren dürfen. Sie müssen auch richtig reagieren und das wiederholt genug tun, damit daraus langfristig ein echter Vorteil entsteht. SPIVA und Morningstar zeigen jedoch, dass die aggregierten Ergebnisse trotz aller Flexibilität meist nicht zugunsten der aktiven Fonds kippen. Selbst in Jahren mit höherer Streuung oder mehr Unsicherheit bleibt eine Mehrzahl der Produkte hinter der Benchmark oder dem passiven Peer zurück. 

Deshalb ist das Krisenargument nicht falsch, aber oft überdehnt. Es beschreibt eine Möglichkeit, keinen statistisch gesicherten Standardvorteil.

Wann aktives Management trotzdem sinnvoll sein kann

Für Anleger folgt daraus nicht zwangsläufig, dass aktive Fonds grundsätzlich gemieden werden müssen. Es gibt durchaus Situationen, in denen ein aktiver Ansatz sinnvoll sein kann.

Das gilt vor allem dann, wenn

  • ein Marktsegment weniger effizient und stärker fragmentiert ist
  • der Fonds eine wirklich klare, nachvollziehbare und von der Benchmark abweichende Strategie hat
  • die Kosten im Verhältnis zur Nische noch vertretbar sind
  • der Anleger bewusst einen spezialisierten Baustein und nicht den Kern des Vermögens abdeckt
  • das Produkt nicht nur wegen der Vergangenheit, sondern wegen Team, Prozess, Risikoansatz und Gebühren gewählt wird

Gerade in Spezialthemen, Teilen des Kreditmarkts oder kleinen Marktsegmenten kann aktives Management eine vernünftige Rolle spielen. Entscheidend ist nur, dass daraus nicht automatisch die Erwartung entsteht, ein Fondsmanager werde schon dauerhaft den Markt schlagen. Wer aktiv kauft, sollte eine sehr konkrete Begründung haben und nicht bloß dem allgemeinen Versprechen von „mehr Chancen“ folgen.

Was für Einsteiger meist die vernünftigere Schlussfolgerung ist

Für die meisten privaten Anleger ist die wichtigste Erkenntnis ziemlich nüchtern: Breite, kostengünstige Indexlösungen sind für den Kern des Vermögensaufbaus statistisch der robustere Ausgangspunkt. Nicht weil aktive Manager nie gewinnen, sondern weil die Wahrscheinlichkeit einer anhaltenden Outperformance nach Kosten begrenzt ist und die Auswahl im Voraus schwer bleibt. 

Das bedeutet nicht, dass aktive Fonds verboten wären. Wer sich intensiv mit Fonds, Strategien, Kosten und Marktsegmenten beschäftigt, kann bewusst einzelne aktive Beimischungen wählen. Der Fehler beginnt dort, wo aus einzelnen Ausnahmefällen eine allgemeine Erwartung gemacht wird. Gerade Anfänger überschätzen oft die Bedeutung von Vergangenheitsrenditen und unterschätzen Kosten, Persistenzprobleme und die Schwierigkeit, echte Qualität von gutem Marketing zu unterscheiden.

Drei typische Denkfehler bei diesem Thema

Im ersten Fall sieht jemand einen Fonds, der in den letzten drei Jahren deutlich besser lief als der Markt. Die Schlussfolgerung lautet sofort: Dieser Manager kann es eben. Genau hier liegt der klassische Denkfehler. Gute vergangene Jahre sind interessant, aber sie sind kein verlässlicher Beweis für künftige Überlegenheit. Die Persistenzdaten zeigen gerade bei Spitzenfonds, wie schwer sich gute Platzierungen halten lassen. 

Im zweiten Fall wird ein aktiver Fonds mit seiner Benchmark vor Kosten verglichen, während der Anleger real Gebühren, Handelskosten und womöglich steuerliche Nachteile trägt. So sieht das Produkt sauberer aus, als es am Ende im Depot ankommt. Genau deshalb sind Nettovergleiche und passive Peers so wichtig. 

Im dritten Fall wird aus einer Nische eine allgemeine Regel abgeleitet. Weil in bestimmten Segmenten oder kurzen Zeiträumen aktive Fonds besser abschnitten, wird angenommen, das gelte für alle Märkte. Die Langfristdaten aus Europa und den USA sprechen klar dagegen. Einige helle Flecken ändern nichts daran, dass der breite Durchschnitt aktiver Fonds in vielen Hauptkategorien zurückliegt. 

Zusammenfassung

Die große Behauptung, Fondsmanager würden den Markt generell schlagen, hält einem breiten Langfristvergleich nicht stand. Über viele Jahre und nach Kosten bleibt in den meisten großen Kategorien eine Mehrheit aktiver Fonds hinter Benchmark oder passivem Vergleichsprodukt zurück. Das gilt in Europa ebenso wie in den USA. Dazu kommt, dass frühere Gewinner ihre Spitzenposition nur selten dauerhaft halten. 

Trotzdem wäre es zu simpel, aktive Fonds komplett als Illusion abzutun. Es gibt reale Gewinner, und in einigen Nischen ist die Erfolgsquote deutlich besser als im breiten Large-Cap-Kerngeschäft. Die Realität liegt also zwischen den Extremen: Nicht völliger Mythos, aber auch ganz sicher keine verlässliche Massenwahrheit. Für die meisten Anleger bleibt deshalb ein passiver Kern mit bewusst ausgewählten aktiven Ausnahmen die deutlich nüchternere Logik als die Hoffnung auf den einen dauerhaften Star-Manager. 

Häufige Fragen

Können Fondsmanager den Markt überhaupt schlagen?

Ja, einzelne Fondsmanager und einzelne Fonds können das durchaus. Die Statistik zeigt nur, dass dies im breiten Durchschnitt nicht die Regel ist und dass die Mehrheit aktiver Fonds über längere Zeiträume zurückbleibt. 

Warum wirken aktive Fonds im Alltag oft erfolgreicher, als sie sind?

Weil starke Einzelfälle viel Aufmerksamkeit bekommen und schwache oder geschlossene Fonds weniger sichtbar sind. Dazu kommt, dass viele Menschen kurzfristige Spitzenleistung mit dauerhafter Qualität verwechseln. 

Sind aktive Fonds in manchen Bereichen sinnvoller als in anderen?

Ja. In einigen Nischen oder weniger effizienten Marktsegmenten sind die Erfolgschancen höher als in großen, sehr effizienten Aktienmärkten. Das ändert aber nichts daran, dass auch dort keine sichere Überlegenheit garantiert ist. 

Wie groß ist der Einfluss der Kosten wirklich?

Sehr groß. ESMA hat für den europäischen Markt ausdrücklich festgehalten, dass aktive Aktien- und Anleihenfonds höhere Kosten haben und diese höheren Kosten zu einer Netto-Unterperformance gegenüber passiven Produkten führten. 

Warum ist vergangene Top-Performance kein gutes Auswahlkriterium?

Weil Spitzenplätze oft nicht stabil bleiben. Die Persistence-Daten von S&P zeigen, dass nur ein kleiner Teil der Fonds, die einmal im Top-Quartil lagen, über mehrere Folgejahre dort bleibt. 

Bedeutet das automatisch, dass ETFs immer besser sind?

Nicht in jedem einzelnen Jahr und nicht in jeder Nische. Aber für breite Kernanlagen sprechen Kosten, Einfachheit und die Langfriststatistik häufig für passive Lösungen. 

Gibt es Märkte, in denen aktive Manager eher eine Chance haben?

Ja, etwa in manchen Geldmarkt-, Immobilien-, Emerging-Markets- oder Spezialsegmenten. Dort zeigen Morningstar und SPIVA teils deutlich bessere Quoten als in klassischen US-Large-Cap-Kategorien. 

Ist ein teurer Fonds automatisch schlecht?

Nein. Ein hoher Preis macht einen Fonds nicht automatisch schlecht, erhöht aber die Hürde für echte Outperformance. Ein aktiver Fonds muss seine Mehrkosten erst einmal wieder hereinholen. 

Was ist für Einsteiger der größte Fehler?

Oft ist es die Hoffnung, mit einem aktiven Fonds den Markt recht zuverlässig übertreffen zu können. Diese Erwartung ist statistisch zu optimistisch und blendet Kosten, Persistenzprobleme und Auswahlrisiken aus. 

Wie lautet die pragmatische Schlussfolgerung für private Anleger?

Für den Kern des Vermögensaufbaus sind günstige, breit gestreute Indexlösungen meist die robustere Ausgangsbasis. Aktive Fonds können als gezielte Beimischung interessant sein, sollten aber bewusst und mit klarer Begründung gewählt werden. 

Fazit

Fondsmanager schlagen den Markt ist als allgemeine Aussage zu stark. Als Einzelfall stimmt sie. Als Standardversprechen stimmt sie nicht. Die breite Datenlage aus Europa und den USA zeigt, dass aktive Fonds in den meisten großen Kategorien über längere Zeiträume mehrheitlich zurückbleiben, vor allem nach Kosten. Dazu kommt, dass sich frühere Gewinner nur selten dauerhaft als Gewinner halten. 

Damit ist die Frage klar beantwortet: eher Mythos als allgemeine Realität, aber nicht bloße Fantasie. Es gibt echte Ausnahmen, nur sind sie vorab schwer zu identifizieren und im Nachhinein leichter zu bewundern als im Vorhinein auszuwählen. Wer das versteht, trifft meist ruhigere und robustere Anlageentscheidungen.

Checkliste
  • ein Marktsegment weniger effizient und stärker fragmentiert ist
  • der Fonds eine wirklich klare, nachvollziehbare und von der Benchmark abweichende Strategie hat
  • die Kosten im Verhältnis zur Nische noch vertretbar sind
  • der Anleger bewusst einen spezialisierten Baustein und nicht den Kern des Vermögens abdeckt
  • das Produkt nicht nur wegen der Vergangenheit, sondern wegen Team, Prozess, Risikoansatz und Gebühren gewählt wird


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32, München. Immobilien und Versicherungen – denkt in Struktur und bewertet Risiken nüchtern. Langfristige Verpflichtungen betrachtet er immer im Gesamtkontext.

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