Ausschüttend oder thesaurierend – welcher ETF ist besser?

Lesedauer: 4 Min
Aktualisiert: 10. Februar 2026 19:38

Wer sich mit ETFs beschäftigt, stößt früher oder später auf eine grundlegende Entscheidung: Soll der ETF regelmäßig Erträge auszahlen oder diese automatisch wieder anlegen? Beide Varianten verfolgen unterschiedliche Ziele und wirken sich langfristig spürbar auf Vermögensaufbau, Steuern und Liquidität aus. Welche Lösung besser passt, hängt weniger vom Markt als von deiner persönlichen Strategie ab.

Was ausschüttende ETFs auszeichnet

Ausschüttende ETFs zahlen Dividenden oder Zinserträge in festen Abständen direkt auf dein Verrechnungskonto aus. Üblich sind jährliche, halbjährliche oder quartalsweise Ausschüttungen. Das investierte Kapital bleibt dabei unverändert, nur die Erträge werden ausgekehrt.

Gerade für Anleger, die regelmäßige Einnahmen schätzen, wirkt diese Form sehr greifbar. Die Ausschüttungen können genutzt werden, um laufende Kosten zu decken, Rücklagen zu bilden oder bewusst in andere Anlageklassen umzuschichten. Psychologisch empfinden viele diese Form als motivierender, da Erträge sichtbar werden, ohne Anteile verkaufen zu müssen.

Was thesaurierende ETFs anders machen

Thesaurierende ETFs behalten Erträge im Fonds und investieren sie automatisch wieder. Dividenden fließen also nicht aufs Konto, sondern erhöhen den Wert der Fondsanteile. Dieser Mechanismus sorgt dafür, dass der Zinseszinseffekt vollständig innerhalb des ETFs wirkt.

Besonders bei langfristigem Vermögensaufbau kann das einen deutlichen Unterschied machen. Über viele Jahre hinweg wächst das investierte Kapital schneller, da Erträge sofort erneut Rendite erzielen. Der Anleger muss sich um nichts kümmern, da Wiederanlage automatisch erfolgt.

Der Zinseszinseffekt im Vergleich

Ein einfaches Zahlenbeispiel zeigt den Unterschied. Bei 10.000 Euro Startkapital und 6 Prozent jährlicher Rendite ergibt sich nach 25 Jahren:

  • mit Wiederanlage der Erträge rund 43.000 Euro
  • ohne Wiederanlage, bei Entnahme der Erträge, bleibt das Kapital deutlich darunter

Der Effekt verstärkt sich mit jeder zusätzlichen Laufzeit. Je länger der Anlagehorizont, desto stärker profitieren thesaurierende Varianten vom automatischen Wachstum.

Steuerliche Unterschiede richtig einordnen

In Deutschland unterliegen beide ETF-Typen der Abgeltungsteuer. Ausschüttungen werden sofort besteuert, sofern der Sparerpauschbetrag ausgeschöpft ist. Bei thesaurierenden ETFs greift seit der Investmentsteuerreform die sogenannte Vorabpauschale. Sie sorgt dafür, dass ein Teil der Wertentwicklung bereits während der Haltedauer besteuert wird, allerdings oft in geringerer Höhe.

In der Praxis bedeutet das: Der steuerliche Vorteil der Thesaurierung ist vorhanden, aber nicht mehr so groß wie früher. Dennoch verschiebt sich die Steuerlast bei thesaurierenden ETFs stärker in die Zukunft, was den Zinseszinseffekt begünstigt.

Welche Variante passt zu welchem Anlegertyp?

Die Entscheidung lässt sich gut an der persönlichen Lebenssituation festmachen.

Ausschüttende ETFs passen häufig besser, wenn:

  • regelmäßige Einnahmen gewünscht sind
  • der Sparerpauschbetrag gezielt genutzt werden soll
  • bereits ein größeres Vermögen vorhanden ist
  • psychologische Sicherheit durch Auszahlungen wichtig ist

Thesaurierende ETFs sind meist sinnvoller, wenn:

  • langfristiger Vermögensaufbau im Vordergrund steht
  • Erträge nicht benötigt werden
  • ein ETF-Sparplan über viele Jahre läuft
  • möglichst wenig Aufwand gewünscht ist

Kombinationen als strategische Lösung

Viele Anleger entscheiden sich nicht strikt für eine Variante. Eine gängige Strategie ist es, in der Aufbauphase auf thesaurierende ETFs zu setzen und später schrittweise auf ausschüttende umzusteigen. So lässt sich Wachstum priorisieren, während im Ruhestand regelmäßige Einnahmen entstehen.

Auch Mischdepots sind möglich, bei denen ein Teil des Kapitals thesaurierend arbeitet, während ein anderer Teil laufende Ausschüttungen liefert. Dadurch entsteht Flexibilität ohne klare Entweder-oder-Entscheidung.

Einfluss auf Sparpläne und Rebalancing

Bei ETF-Sparplänen spielen thesaurierende ETFs ihre Stärken besonders aus. Monatliche Einzahlungen und automatische Wiederanlage greifen ineinander und sorgen für gleichmäßiges Wachstum. Ausschüttungen müssen dagegen aktiv wieder investiert werden, wenn sie nicht verbraucht werden sollen.

Beim Rebalancing können Ausschüttungen allerdings helfen, gezielt nachzujustieren, ohne Anteile verkaufen zu müssen. Das kann steuerlich und strategisch Vorteile bringen.

Häufige Fragen zum Thema

Sind thesaurierende ETFs immer rentabler?

Nicht automatisch. Sie profitieren stärker vom Zinseszinseffekt, doch Marktentwicklung, Kosten und Laufzeit sind entscheidender als die Ausschüttungsart allein.

Muss ich bei thesaurierenden ETFs Steuern zahlen?

Ja. Über die Vorabpauschale fällt jährlich eine steuerliche Belastung an, sofern entsprechende Erträge vorliegen und der Freibetrag überschritten ist.

Sind ausschüttende ETFs sicherer?

Nein. Das Risiko hängt vom Index und der Zusammensetzung ab, nicht von der Art der Ertragsverwendung.

Kann ich später problemlos wechseln?

Ein Wechsel ist möglich, erfordert jedoch Verkäufe und kann Steuern auslösen. Deshalb lohnt es sich, früh über die eigene Strategie nachzudenken.

Zusammenfassung und Einordnung

Ob ausschüttend oder thesaurierend besser ist, hängt nicht von einer objektiven Überlegenheit ab, sondern von Zielen, Zeitrahmen und persönlichem Umgang mit Geld. Wer langfristig Vermögen aufbauen möchte und auf laufende Erträge verzichten kann, nutzt mit thesaurierenden ETFs den stärkeren Wachstumseffekt. Wer regelmäßige Einnahmen schätzt oder gezielt Flexibilität braucht, fährt mit ausschüttenden ETFs oft ruhiger.

In der Praxis ist die Kombination beider Ansätze für viele Anleger der sinnvollste Weg, da sie Wachstum und Stabilität miteinander verbindet.


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