Anleihen-ETFs gelten für viele als ruhiger Gegenpol zu Aktien. Sie versprechen stabilere Erträge, geringere Schwankungen und mehr Planbarkeit im Portfolio. Gleichzeitig sorgen Zinsänderungen, Inflation und Kursverluste in den letzten Jahren für Verunsicherung. Sind Anleihen-ETFs wirklich sicher? Und für wen lohnen sie sich überhaupt? Wer Chancen und Risiken richtig einordnet, kann sie gezielt einsetzen – wer sie falsch versteht, erlebt unangenehme Überraschungen.
Anleihen-ETFs sind kein Sparbuchersatz, sondern ein Investment mit eigenen Regeln. Genau diese sollte man kennen.
Was Anleihen-ETFs überhaupt sind
Anleihen-ETFs investieren nicht in einzelne Anleihen, sondern in ganze Körbe aus Staats- oder Unternehmensanleihen. Der ETF bildet dabei einen bestimmten Anleihenindex nach, etwa mit unterschiedlichen Laufzeiten, Bonitäten oder Regionen.
Als Anleger leiht man also nicht einem einzelnen Staat oder Unternehmen Geld, sondern verteilt das Risiko automatisch auf viele Schuldner. Das reduziert Ausfallrisiken, ändert aber nichts daran, dass Anleihen-ETFs Marktschwankungen unterliegen.
Wie Anleihen-ETFs Erträge erzielen
Die Erträge stammen aus den laufenden Zinszahlungen der enthaltenen Anleihen. Diese werden entweder regelmäßig ausgeschüttet oder im ETF wiederangelegt. Zusätzlich entstehen Kursgewinne oder -verluste, wenn sich das Zinsniveau verändert.
Steigen die Zinsen, fallen die Kurse bestehender Anleihen. Sinkende Zinsen führen dagegen zu Kursgewinnen. Dieser Mechanismus ist zentral für das Verständnis von Chancen und Risiken bei Anleihen-ETFs.
Der Einfluss der Zinsen auf Anleihen-ETFs
Der wichtigste Risikofaktor ist das Zinsänderungsrisiko. Besonders Anleihen mit langen Laufzeiten reagieren empfindlich auf Zinsbewegungen. Schon kleine Zinsanstiege können deutliche Kursverluste verursachen.
Kurzlaufende Anleihen reagieren weniger stark, bieten dafür aber meist geringere Erträge. Anleihen-ETFs unterscheiden sich daher stark je nach durchschnittlicher Restlaufzeit der enthaltenen Papiere.
Bonität und Kreditrisiko richtig einordnen
Neben den Zinsen spielt die Bonität der Schuldner eine große Rolle. Staatsanleihen guter Bonität gelten als vergleichsweise sicher, bieten aber oft niedrigere Erträge. Unternehmensanleihen versprechen höhere Zinsen, tragen dafür ein höheres Ausfallrisiko.
Anleihen-ETFs mit schwächer bewerteten Schuldnern reagieren stärker auf wirtschaftliche Krisen. Die breite Streuung reduziert das Risiko einzelner Ausfälle, schließt Verluste aber nicht aus.
Chancen von Anleihen-ETFs im Portfolio
Richtig eingesetzt können Anleihen-ETFs Stabilität ins Portfolio bringen. Sie schwanken oft weniger stark als Aktien und können in bestimmten Marktphasen Verluste abfedern.
Besonders in ausgewogenen Portfolios dienen sie als Gegengewicht zu riskanteren Anlagen. Zudem bieten sie regelmäßige Erträge, die planbarer sind als Dividenden vieler Aktien.
Risiken, die oft unterschätzt werden
Viele Anleger setzen Anleihen-ETFs mit Sicherheit gleich. Das ist gefährlich. Auch sie können über längere Zeiträume Verluste verursachen, etwa bei stark steigenden Zinsen oder hoher Inflation.
Hinzu kommt das sogenannte Rollrisiko. Da Anleihen-ETFs ständig alte Anleihen ersetzen, gibt es keinen festen Rückzahlungstermin wie bei Einzelanleihen. Kursverluste können sich dadurch länger halten.
Ausschüttend oder thesaurierend?
Auch bei Anleihen-ETFs stellt sich die Frage nach der Ertragsverwendung. Ausschüttende Varianten zahlen Zinsen regelmäßig aus, thesaurierende legen sie automatisch wieder an.
Welche Variante besser passt, hängt vom Ziel ab. Wer laufende Einnahmen möchte, bevorzugt Ausschüttungen. Für langfristigen Vermögensaufbau kann die Wiederanlage sinnvoll sein.
Laufzeit als entscheidender Faktor
Die durchschnittliche Laufzeit bestimmt maßgeblich das Risiko. Kurzlaufende Anleihen-ETFs gelten als defensiver, reagieren aber weniger auf sinkende Zinsen. Langlaufende ETFs bieten höhere Chancen bei fallenden Zinsen, bergen aber größere Verlustrisiken bei Zinsanstiegen.
Eine bewusste Auswahl ist hier entscheidend. Pauschale Aussagen über „sichere Anleihen-ETFs“ greifen zu kurz.
Anleihen-ETFs in Zeiten hoher Inflation
Hohe Inflation stellt klassische Anleihen vor Herausforderungen. Steigende Preise schmälern die reale Rendite, insbesondere bei festen Zinssätzen. Das gilt auch für Anleihen-ETFs.
Bestimmte Varianten können dieses Risiko abmildern, vollständig vermeiden lässt es sich jedoch nicht. Deshalb sollten Anleihen-ETFs immer im Gesamtzusammenhang betrachtet werden.
Typische Fehler beim Einsatz von Anleihen-ETFs
Viele Probleme entstehen durch falsche Erwartungen:
- Anleihen-ETFs werden als risikolos angesehen
- Laufzeiten werden ignoriert
- Zinsänderungen unterschätzt
- Inflation nicht berücksichtigt
Wer diese Punkte kennt, kann Risiken realistischer einschätzen.
Häufige Fragen zu Anleihen-ETFs
Sind Anleihen-ETFs sicher?
Sie gelten als risikoärmer als Aktien, sind aber nicht risikofrei. Kursverluste sind möglich, besonders bei Zinsanstiegen.
Können Anleihen-ETFs dauerhaft im Minus sein?
Ja, vor allem bei stark steigenden Zinsen oder ungünstiger Laufzeitstruktur. Sie haben keinen festen Rückzahlungstermin.
Sind Staatsanleihen-ETFs besser als Unternehmensanleihen-ETFs?
Nicht automatisch. Staatsanleihen sind oft sicherer, bieten aber niedrigere Erträge. Unternehmensanleihen tragen mehr Risiko, können aber höhere Renditen liefern.
Welche Laufzeit ist sinnvoll?
Das hängt vom Anlageziel ab. Kurzlaufende ETFs sind defensiver, langlaufende stärker zinssensitiv. Eine bewusste Auswahl ist entscheidend.
Eignen sich Anleihen-ETFs für Einsteiger?
Ja, wenn sie verstanden werden. Wichtig ist, Erwartungen realistisch zu halten und Risiken zu kennen.
Sind Anleihen-ETFs ein Ersatz für Tagesgeld?
Nein. Tagesgeld unterliegt keinen Kursschwankungen. Anleihen-ETFs schon, auch kurzfristig.
Wie verhalten sich Anleihen-ETFs bei Aktiencrashs?
Oft stabiler als Aktien, aber nicht garantiert. In bestimmten Phasen können beide gleichzeitig fallen.
Sollte man Anleihen-ETFs langfristig halten?
Sie eignen sich eher zur Stabilisierung und Diversifikation als zur reinen Renditejagd. Der Einsatz sollte zur Gesamtstrategie passen.
Fazit: Anleihen-ETFs bewusst nutzen statt überschätzen
Anleihen-ETFs sind vielseitige Werkzeuge im Portfolio, aber keine Selbstläufer. Sie bieten Chancen auf Stabilität und regelmäßige Erträge, tragen jedoch klare Risiken durch Zinsen, Laufzeiten und Inflation. Wer ihre Funktionsweise versteht und sie gezielt einsetzt, kann das Portfolio robuster aufstellen. Wer sie als sichere Alternative missversteht, läuft Gefahr, falsche Erwartungen zu haben.