Warum Festgeld wieder interessant wird

Lesedauer: 16 Min
Aktualisiert: 17. Februar 2026 20:46

Festgeld wird vor allem dann wieder spannend, wenn sichere Zinsen spürbar zurückkehren, Planbarkeit wichtiger wird und du für einen Teil deines Geldes bewusst Ruhe statt Risiko willst. In Phasen, in denen Kurse schwanken, Lebenshaltung teurer wird oder man ein konkretes Ziel in ein bis wenigen Jahren vor Augen hat, kann ein fest vereinbarter Zinssatz plötzlich wieder mehr sein als „nur ein bisschen Zins“. Genau hier liegt der Grund, warum viele das Thema neu bewerten und Festgeld wieder interessant finden.

Zinswende: Wenn sichere Zinsen nicht mehr nur ein Erinnerungswert sind

Über viele Jahre war das Grundgefühl ähnlich: Wer sein Geld sicher parken wollte, bekam kaum Zinsen, teilweise fühlte es sich an, als würde man für Sicherheit sogar indirekt bezahlen. In so einem Umfeld war Festgeld für viele unattraktiv, weil es den Nachteil der Bindung hatte, ohne einen echten Zinsvorteil zu liefern.

Sobald Zinsen aber wieder sichtbar werden, ändert sich das Bild. Festgeld lebt von einem simplen Versprechen: Du bindest Geld für eine feste Laufzeit und erhältst dafür einen vorher bekannten Zinssatz. Wenn dieser Zinssatz wieder „etwas ausmacht“, bekommt das Produkt seinen ursprünglichen Sinn zurück. Dann ist Festgeld nicht mehr nur ein Notbehelf, sondern wieder ein Werkzeug für planbare Ziele und für den Teil des Vermögens, der nicht schwanken soll.

Ein weiterer Effekt kommt dazu: Wenn man merkt, dass sichere Zinsen wieder erreichbar sind, wird die Frage nach Opportunitätskosten neu gestellt. Wer sein Geld unverzinst oder sehr niedrig verzinst liegen lässt, spürt plötzlich, dass das eine aktive Entscheidung ist. Und genau an diesem Punkt wird Festgeld wieder interessant, weil es eine klare Alternative bietet: Sicherheit mit kalkulierbarer Verzinsung.

Inflation verändert den Blick: Es geht nicht nur um „Zinsen“, sondern um Kaufkraft

Viele unterschätzen, wie stark Inflation die Wahrnehmung dreht. Wenn Preise steigen, fühlt sich ein nominaler Zins zunächst wie eine kleine Beruhigung an. Gleichzeitig zeigt Inflation aber gnadenlos, dass „sicher“ nicht automatisch „wertstabil“ bedeutet. Das Geld liegt zwar sicher, aber die Kaufkraft kann leise schrumpfen.

Hier entsteht eine neue Logik: Wer die Kaufkraft zumindest bremsen will, schaut nicht nur auf Sicherheit, sondern darauf, ob der Zinssatz (nach Steuern) in die Nähe der Teuerung kommt. Festgeld wird dann attraktiv, wenn es im Vergleich zu Alternativen einen besseren Beitrag zur Kaufkraft leistet, ohne dass man Kursschwankungen aushalten muss.

Ein einfaches Gedankenbeispiel macht das greifbar: Stell dir vor, du bekommst 3 % Zinsen, während die Preise um 4 % steigen. Dein Kontostand wächst, aber real bleibt weniger übrig. Steigt der Zins auf 4 % oder 5 %, kippt die Wirkung. Der Punkt ist nicht, dass Festgeld Inflation immer schlägt, sondern dass der Abstand kleiner werden kann und das für viele bereits ein großer Unterschied ist.

Planbarkeit wird wieder wertvoll: Warum Sicherheit nicht nur „Angst“ ist

Festgeld hat einen Ruf, der manchmal unfair ist: Es wird schnell als „ängstlich“ oder „altmodisch“ bezeichnet. In Wahrheit ist es oft einfach eine Frage von Planbarkeit. Wer einen festen Zeitpunkt und eine feste Summe im Blick hat, profitiert massiv davon, wenn die Anlage keine Überraschungen produziert.

Planbarkeit ist besonders dann wichtig, wenn:

  • in den nächsten 6 bis 36 Monaten größere Ausgaben anstehen
  • ein Umzug, eine Renovierung oder eine größere Anschaffung geplant ist
  • Rücklagen nicht spekulativ sein sollen, weil sie im Notfall gebraucht werden könnten
  • man Ruhe im Kopf braucht und nicht täglich auf Kurse schauen möchte

Sicherheit ist in solchen Fällen kein emotionaler Reflex, sondern ein funktionaler Vorteil. Wenn Festgeld dafür wieder spürbar Zinsen bietet, ist es logisch, dass es erneut in den Fokus rückt.

Kursschwankungen und Nervenkostüm: Warum viele wieder „ruhige“ Produkte suchen

Nicht jeder hat Freude daran, wenn Anlagen zeitweise deutlich im Minus stehen. Selbst wenn man rational weiß, dass Schwankungen dazugehören, kann es emotional belasten, wenn das Geld „auf dem Papier“ weniger wert wird. Das führt bei vielen zu ungünstigem Verhalten: Sie verkaufen im Tief, steigen zu spät wieder ein oder wechseln ständig die Strategie.

Festgeld liefert hier etwas, das in unruhigen Zeiten überraschend viel wert ist: Es nimmt Entscheidungslast raus. Du schließt ab, kennst Zinssatz und Laufzeit, und der Rest ist Routine. Gerade wer viel um die Ohren hat oder nicht ständig Finanzentscheidungen treffen möchte, empfindet das als echten Vorteil.

Das bedeutet nicht, dass Festgeld „besser“ ist als andere Anlageformen. Es erklärt nur, warum es wieder interessant wird: Es passt zu einem Bedürfnis nach Stabilität, das in vielen Phasen stärker wird.

Festgeld als Baustein statt als All-in-Lösung

Ein häufiger Denkfehler ist die Erwartung, Festgeld müsse alles alleine lösen: Sicherheit, Rendite, Inflationsschutz, Flexibilität. In der Praxis ist Festgeld am stärksten, wenn es eine klare Aufgabe hat.

Typische Aufgaben, bei denen Festgeld wieder interessant wird:

  • Geld für ein konkretes Ziel in absehbarer Zeit sicher parken
  • einen Teil des Sicherheitsvermögens planbar verzinsen
  • das Risiko im Gesamtvermögen reduzieren, ohne komplett auf Zinsen zu verzichten
  • psychologische Stabilität schaffen, damit man bei anderen Anlagen nicht panisch reagiert

Wenn man Festgeld so versteht, wird es nicht zur Entweder-oder-Frage, sondern zu einem sinnvollen Teil eines Systems.

Warum Festgeld gegenüber Tagesgeld oft wieder besser wirkt

Tagesgeld ist bequem, weil es flexibel bleibt. In niedrigen Zinsphasen war Tagesgeld oft genauso „gut“ wie Festgeld, weil der Zinsunterschied gering war. Sobald sich Zinsabstände wieder öffnen, ändert sich der Vergleich.

Festgeld wirkt dann attraktiv, weil:

  • der Zinssatz für die Laufzeit feststeht und nicht plötzlich sinkt
  • man sich Zinsen sichern kann, ohne täglich vergleichen zu müssen
  • der psychologische Schutz vor „ausgeben, weil es verfügbar ist“ stärker ist

Gleichzeitig bleibt Tagesgeld wichtig, weil Flexibilität ein eigener Wert ist. Die interessante Entwicklung ist: Festgeld wird wieder relevant, weil es wieder einen echten Gegenwert für die Bindung geben kann. Wenn Bindung nichts bringt, nimmt sie niemand in Kauf. Wenn sie wieder belohnt wird, wird das Produkt wieder interessant.

Die Steuerfrage: Was nach Zinsen wirklich übrig bleibt

Sobald Zinsen wieder höher ausfallen, wird ein Punkt wieder sichtbarer, den viele in Nullzinszeiten verdrängt haben: Steuern auf Kapitalerträge. Entscheidend ist nicht der Bruttozins, sondern das Netto-Ergebnis nach Abgaben und unter Berücksichtigung eines Freistellungsrahmens.

Das führt zu einer realistischen Sichtweise: Ein Angebot mit minimal höherem Zins ist nicht automatisch besser, wenn Gebühren, Laufzeit oder steuerliche Effekte den Vorteil auffressen. Wer Festgeld sinnvoll nutzen will, schaut deshalb auf:

  • Bruttozins und Nettozins
  • Zeitpunkt der Zinsgutschrift (jährlich oder am Ende)
  • Gesamterträge über die Laufzeit
  • eigenen Freistellungsrahmen und bereits genutzte Erträge

Genau hier wird Festgeld wieder interessant für Menschen, die Ordnung lieben: Es ist vergleichsweise leicht, sauber zu rechnen, weil die Parameter fest sind.

Laufzeit ist Strategie: Warum „einfach irgendein Jahr“ oft nicht optimal ist

Viele wählen Festgeld nach Bauchgefühl: ein Jahr klingt angenehm, zwei Jahre klingen schon lang, fünf Jahre wirken wie eine Ewigkeit. Sobald Zinsen wieder bedeutender sind, lohnt ein strategischerer Blick.

Kurze Laufzeiten sind häufig sinnvoll, wenn:

  • du unsicher bist, ob du das Geld früher brauchst
  • du vermutest, dass sich Zinsen bald deutlich verändern
  • du Flexibilität höher bewertest als den letzten Zinsvorteil

Längere Laufzeiten können attraktiv sein, wenn:

  • du das Geld sicher nicht brauchst
  • du einen Zinssatz „einfrieren“ willst, weil du ihn als gut empfindest
  • du Stabilität willst und weniger Lust auf ständiges Neuentscheiden hast

Der Punkt ist nicht, dass lang oder kurz grundsätzlich besser wäre. Festgeld wird wieder interessant, weil man Laufzeit wieder bewusst als Werkzeug einsetzen kann, statt nur „irgendwo zu parken“.

Festgeldleiter: Ein Grund, warum Festgeld wieder interessant wird, ohne dass man sich fesselt

Eine Festgeldleiter ist eine einfache Idee mit großer Wirkung: Statt eine Summe komplett für eine Laufzeit zu binden, teilst du sie in mehrere Teile. So werden regelmäßig Teilbeträge frei, die du neu anlegen kannst. Das reduziert das Risiko, alles zum schlechtesten Zeitpunkt verlängern zu müssen.

Ein typisches Schema kann so aussehen:

  • Teil 1 läuft 12 Monate
  • Teil 2 läuft 24 Monate
  • Teil 3 läuft 36 Monate

Nach einem Jahr wird Teil 1 fällig und kann wieder für 36 Monate angelegt werden, sodass du dauerhaft einen Rhythmus hast. Du kombinierst dadurch oft zwei Vorteile: einen besseren Zins als bei sehr kurzen Laufzeiten und gleichzeitig regelmäßige Ausstiegspunkte.

Gerade in Zeiten mit unsicherer Inflation oder wechselnden Zinsen wird Festgeld wieder interessant, weil solche Strukturen Stabilität bringen, ohne dich zu blockieren.

Sicherheit ist mehrdimensional: Bankrisiko, Kaufkraftrisiko, Liquiditätsrisiko

Wenn Menschen sagen, Festgeld sei „sicher“, meinen sie meist: Der Betrag schwankt nicht. Das stimmt, aber es ist nur eine Ebene. Praktisch sind drei Risiken relevant:

Bankrisiko betrifft die Frage, ob dein Guthaben im extremen Fall geschützt ist.
Kaufkraftrisiko beschreibt, ob du real etwas dafür bekommst, wenn Preise steigen.
Liquiditätsrisiko entscheidet, ob du in einem ungünstigen Moment an das Geld musst und dann teuer überbrücken musst.

Festgeld wird wieder interessant, weil es beim Bankrisiko und bei der Kursschwankung sehr stark ist. Gleichzeitig muss man es so einsetzen, dass Kaufkraftrisiko und Liquiditätsrisiko nicht unnötig groß werden. Wer das sauber trennt, bekommt aus Festgeld ein gutes Werkzeug, statt eine starre Bindung.

Warum „Geld parken“ plötzlich wieder ein eigener Job ist

In Nullzinszeiten war es egal, ob Geld auf einem Girokonto, Tagesgeld oder Festgeld lag. Die Unterschiede waren klein. Sobald Zinsen wieder relevant werden, wird „parken“ zu einer Entscheidung mit Konsequenzen.

Das merkt man besonders bei größeren Beträgen. Ein scheinbar kleiner Zinsunterschied kann über ein oder zwei Jahre spürbar sein. Das führt dazu, dass Festgeld wieder interessant wird, weil es für viele die erste Option ist, mit wenig Aufwand wieder einen planbaren Ertrag zu erzielen.

Dabei spielt nicht nur Rendite eine Rolle, sondern auch der Aufwand: Festgeld ist vergleichsweise unkompliziert. Du musst keine Kurse beobachten, keine Rebalancing-Disziplin haben und keine starken Emotionen aushalten. Für viele ist genau diese Einfachheit in einer komplexen Welt ein wichtiger Grund.

So prüfst du, ob Festgeld zu deinem Geld passt

Damit Festgeld wirklich einen Nutzen hat, lohnt eine klare Einordnung. Ohne komplizierte Theorie kannst du dich an einer praktischen Reihenfolge orientieren:

  • Kläre zuerst, welcher Betrag jederzeit verfügbar sein muss, damit du ruhig bleibst.
  • Lege danach fest, welchen Teil du sicher für die Laufzeit nicht brauchst.
  • Prüfe, welche Laufzeit zu deinem Ziel passt, statt nur den höchsten Zins zu jagen.
  • Rechne grob, wie viel nach Steuern voraussichtlich bleibt.
  • Entscheide, ob du alles auf eine Laufzeit setzt oder lieber in Stufen vorgehst.

Wer diese Abfolge einhält, nutzt Festgeld als Stabilitätsbaustein. Genau dadurch wird es wieder interessant, weil es dann nicht mit falschen Erwartungen überladen wird.

Was viele übersehen: Festgeld schützt auch vor spontanen Ausgaben

Ein unscheinbarer, aber sehr realer Vorteil ist der psychologische Schutz. Wenn Geld jederzeit verfügbar ist, wird es leichter „angegriffen“. Ein neues Handy, eine spontane Reise, ein „nur dieses Mal“-Kauf. Das muss nicht schlimm sein, aber es kann Ziele sabotieren.

Festgeld verhindert das nicht durch Moral, sondern durch Mechanik: Es ist gebunden. Wer weiß, dass er in sechs, zwölf oder 24 Monaten eine Summe braucht, nutzt Festgeld oft als Selbstschutz. Dieses Argument wird stärker, wenn man gleichzeitig einen fairen Zins bekommt. Ohne Zins wäre es nur Zwang. Mit Zins ist es Selbstschutz plus Belohnung.

Wann Festgeld trotz höherer Zinsen nicht die beste Idee ist

Festgeld wird wieder interessant, aber nicht für jeden Euro. Es gibt klare Fälle, in denen die Bindung mehr schadet als nutzt.

Vorsicht ist sinnvoll, wenn:

  • du keinen ausreichenden Notpuffer hast
  • du absehen kannst, dass das Geld eventuell früher gebraucht wird
  • du bei Engpässen auf Dispo oder teure Kredite ausweichen müsstest
  • du sehr lange Laufzeiten wählst, obwohl du dich damit unwohl fühlst

In solchen Situationen kann ein vermeintlich guter Zins irrelevant werden, wenn du später teuer überbrücken musst. Festgeld funktioniert am besten, wenn die Bindung keine Gefahr für deinen Alltag ist.

Praxisbeispiel 1: Ziel in 18 Monaten, aber keine Lust auf Kursschwankungen

Julia plant eine größere Ausgabe in etwa anderthalb Jahren. Sie möchte nicht riskieren, dass der Betrag kurz vor dem Zeitpunkt schwankt. Gleichzeitig soll das Geld nicht komplett zinslos herumliegen.

Sie teilt den Betrag in zwei Teile: Ein kleiner Teil bleibt flexibel, damit ungeplante Ausgaben nicht zum Problem werden. Der größere Teil wird gestaffelt angelegt, sodass in zwölf Monaten ein Teil frei wird und in 18 Monaten der Rest. Dadurch bleibt sie handlungsfähig, bekommt aber trotzdem planbare Zinsen. Für sie wird Festgeld wieder interessant, weil es genau ihren Zeithorizont trifft und keine Nerven kostet.

Praxisbeispiel 2: Sicherheitsvermögen verzinsen, ohne sich festzufahren

Marco hat einen stabilen Alltagspuffer und zusätzlich Geld, das er nicht kurzfristig braucht. Er möchte ruhiger schlafen, aber gleichzeitig nicht das Gefühl haben, dass sein Sicherheitsanteil „gar nichts bringt“.

Er baut eine Festgeldleiter, sodass jedes Jahr ein Teil fällig wird. Das gibt ihm die Option, Zinsen neu zu sichern oder bei Bedarf umzuschichten. Gerade weil er nicht alles auf einen Zeitpunkt setzt, fühlt sich die Bindung nicht wie ein Käfig an. Festgeld wird für ihn wieder interessant, weil er Sicherheit strukturiert und nicht als starre Entscheidung lebt.

Praxisbeispiel 3: Hohe Inflation, aber trotzdem sinnvoller Einsatz

Nadine ärgert sich über steigende Preise und fragt sich, ob Festgeld überhaupt lohnt. Sie erkennt, dass Festgeld Inflation nicht automatisch schlägt, nutzt es aber bewusst als Stabilisator: Ein Teil bleibt flexibel, ein Teil wird fest verzinst.

Der Effekt ist nicht spektakulär, aber spürbar: Sie reduziert den Kaufkraftverlust ihres sicheren Geldanteils und gewinnt Planungssicherheit. Gleichzeitig bleibt sie mit einem Teil flexibel, falls sich die Lage stark ändert. Festgeld wird in dieser Logik wieder interessant, weil es nicht „alles“ leisten muss, sondern eine klare Rolle übernimmt.

Die häufigsten Denkfehler, wenn Festgeld wieder attraktiv erscheint

Sobald Zinsen wieder steigen, kippen manche Menschen in Aktionismus. Dann passiert es, dass Festgeld zwar abgeschlossen wird, aber aus falschen Gründen oder mit falscher Laufzeit.

Typische Fehler sind:

  • Alles auf einmal zu lange binden, weil der Zins gerade gut aussieht.
  • Den Notpuffer ins Festgeld stecken und später teuer überbrücken müssen.
  • Nur den höchsten Zins jagen und Bedingungen, Laufzeit und Steuerwirkung ignorieren.
  • Erträge überschätzen, weil man Brutto mit Netto verwechselt.
  • Festgeld als Ersatz für langfristigen Vermögensaufbau betrachten, obwohl der Zeithorizont Jahrzehnte umfasst.

Festgeld wird dann wieder interessant, wenn man diese Fehler vermeidet und das Produkt als planbaren Baustein nutzt.

Ein kurzer Realitätscheck: Was bleibt realistisch übrig?

Damit man nicht nur mit Gefühlen entscheidet, hilft ein nüchterner Blick auf drei Größen:

  • Zinssatz pro Jahr
  • erwartete Teuerung im eigenen Alltag
  • Steuerabzug und bereits genutzter Freistellungsrahmen

Wenn du dabei erkennst, dass der Nettozins die Teuerung zumindest bremst, kann Festgeld für den sicheren Anteil sinnvoll sein. Wenn der Nettozins deutlich darunter liegt, bleibt Festgeld trotzdem nutzbar, aber eher als Stabilitätsanker, nicht als Renditetreiber. Beides kann okay sein, solange die Erwartung passt.

Ein einfaches Beispiel zum Gefühl: Bei 10.000 Euro sind 3 % nominal 300 Euro. Nach Steuern ist es spürbar weniger, und real hängt alles davon ab, wie stark Preise in deinem Alltag steigen. Genau diese Transparenz macht Festgeld wieder attraktiv: Du kannst es relativ leicht überschlagen und musst nicht raten.

Warum Festgeld im Gesamtmix wieder eine klare Rolle bekommt

Viele Strategien bestehen nicht aus „entweder sicher oder renditestark“, sondern aus einer Kombination. Festgeld passt gut in so einen Mix, weil es klare Eigenschaften hat:

  • keine Kursschwankung
  • fester Zinssatz, klare Laufzeit
  • hohe Planbarkeit
  • psychologische Ruhe

Gerade wenn andere Teile des Vermögens schwanken oder wenn man Entscheidungen nicht ständig neu treffen will, gewinnt ein solcher Baustein an Wert. Festgeld wird dadurch wieder interessant, weil es nicht als „verpasste Chance“, sondern als „Stabilitätskomponente“ verstanden wird.

Festgeld wird auch wegen der Einfachheit wieder interessant

Ein unterschätzter Grund ist banal: Festgeld ist leicht zu erklären und leicht zu nutzen. Viele Menschen haben keine Zeit oder Lust, sich in komplexe Finanzprodukte einzuarbeiten. Sobald Festgeld wieder spürbar Zinsen bietet, ist die Hürde extrem niedrig.

Du musst keine Kurse verstehen, keine Märkte beobachten, keine Timing-Entscheidungen treffen. Du definierst Betrag und Laufzeit, und der Rest läuft. In einer Welt, die ohnehin voll mit Entscheidungen ist, wird genau das für viele zu einem echten Vorteil.

Zusammenfassung

Festgeld wird wieder interessant, wenn sichere Zinsen wieder spürbar sind, Planbarkeit wieder zählt und man für einen Teil des Geldes bewusst Stabilität statt Schwankung sucht. Inflation und Steuern machen zwar klar, dass nicht jeder Zins automatisch Kaufkraft schafft, doch Festgeld kann den Kaufkraftverlust bremsen und vor allem Ziele in absehbarer Zeit planbar absichern. Besonders attraktiv wird es, wenn Laufzeiten bewusst gewählt werden oder eine Festgeldleiter eingesetzt wird, sodass man Zinsen sichern kann, ohne sich komplett festzulegen.

Fazit

Warum Festgeld wieder interessant wird, lässt sich auf einen Kern verdichten: Es verbindet Sicherheit mit wieder relevanter Verzinsung und liefert dabei etwas, das viele unterschätzen, nämlich Ruhe und Planbarkeit. In Zeiten, in denen man nicht ständig optimieren will oder in denen ein konkretes Ziel näher rückt, ist ein fester Zinssatz plötzlich wieder mehr als ein Detail. Wer Festgeld als Baustein nutzt, die Bindung nicht mit dem Notpuffer verwechselt und Laufzeiten strategisch wählt, bekommt ein Werkzeug, das wieder echten Nutzen bringt.

Häufige Fragen zu Festgeld

Ist Festgeld nur dann sinnvoll, wenn es Inflation schlägt?

Nicht zwingend, weil Festgeld auch Stabilität und Planbarkeit liefert. Selbst wenn die Kaufkraft nicht wächst, kann es sinnvoll sein, wenn das Geld zu einem festen Zeitpunkt sicher verfügbar sein muss.

Welche Laufzeit ist ein guter Start?

Viele beginnen mit kürzeren Laufzeiten, um flexibel zu bleiben und ein Gefühl für den Prozess zu bekommen. Wenn du die Summe sicher nicht brauchst, kann eine längere Laufzeit passend sein, sofern du dich damit wohlfühlst.

Was ist der größte Vorteil gegenüber Tagesgeld?

Der feste Zinssatz ist der zentrale Punkt, weil er nicht spontan sinken kann. Zusätzlich schützt die Bindung viele Menschen davor, Rücklagen im Alltag unbewusst aufzubrauchen.

Kann ich Festgeld vorzeitig beenden?

Bei vielen Angeboten ist eine vorzeitige Auflösung schwierig oder nur in besonderen Fällen möglich. Genau deshalb sollte nur Geld gebunden werden, das du sehr wahrscheinlich nicht kurzfristig brauchst.

Wie wichtig ist die Steuer bei Festgeldzinsen?

Sie ist wichtig, weil sie den Zinsertrag direkt reduziert und damit die reale Wirkung beeinflusst. Wer seinen Freistellungsrahmen sinnvoll nutzt, kann das Netto-Ergebnis spürbar verbessern.

Was ist eine Festgeldleiter und warum nutzen das viele?

Dabei wird Geld auf mehrere Laufzeiten verteilt, sodass regelmäßig ein Teil frei wird. Das reduziert das Risiko, alles zu einem ungünstigen Zeitpunkt verlängern zu müssen, und erhöht die Flexibilität.

Ist Festgeld für den Notpuffer geeignet?

Meist nicht, weil ein Notpuffer kurzfristig verfügbar sein sollte. Festgeld eignet sich besser für Geld, das mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zum Laufzeitende liegen bleiben kann.

Warum wirkt Festgeld psychologisch so entlastend?

Weil keine täglichen Kursschwankungen auftauchen und die Entscheidung einmal getroffen wird. Viele handeln dadurch weniger impulsiv und bleiben bei ihren langfristigen Plänen stabiler.

Wie erkenne ich, ob ich zu lange binde?

Wenn du dich schon beim Abschluss unwohl fühlst oder absehen kannst, dass du das Geld vielleicht früher brauchst, ist die Laufzeit vermutlich zu lang. Eine Staffelung über mehrere Laufzeiten kann dann die entspanntere Lösung sein.

Muss Festgeld immer der größte Teil der sicheren Anlagen sein?

Nein, es ist oft sinnvoller, es als Baustein zu sehen. Ein Mix aus Flexibilität und Bindung passt zu vielen Haushalten besser als eine einzige Lösung.

Checkliste
  • in den nächsten 6 bis 36 Monaten größere Ausgaben anstehen
  • ein Umzug, eine Renovierung oder eine größere Anschaffung geplant ist
  • Rücklagen nicht spekulativ sein sollen, weil sie im Notfall gebraucht werden könnten
  • man Ruhe im Kopf braucht und nicht täglich auf Kurse schauen möchte


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