Ein Girokonto begleitet den Alltag fast unbemerkt. Gehalt, Miete, Versicherungen, Streaming-Abos, Vereinsbeiträge, Handyvertrag, Kartenumsätze, Lastschriften, Daueraufträge: Alles hängt daran. Genau deshalb schieben viele den Wechsel auf, selbst wenn Gebühren steigen, der Service nervt oder Funktionen fehlen. Dabei ist ein Kontowechsel heute deutlich einfacher als früher, weil Banken gesetzlich verpflichtet sind, beim Umzug der Zahlungsvorgänge zu helfen. Trotzdem bleibt es ein Prozess, bei dem ein bisschen Planung den Unterschied macht zwischen „läuft reibungslos“ und „warum wurde die Miete zurückgebucht?“.
Ein guter Kontowechsel ist im Grunde ein Projekt in klein: Du richtest das neue Konto ein, überträgst die Zahlungsströme, stellst die wichtigsten Zahlungspartner um, lässt beide Konten eine Zeit lang parallel laufen und schließt erst dann das alte Konto. Wer diese Reihenfolge einhält, kann das Risiko von Rücklastschriften, Mahngebühren oder verpassten Zahlungseingängen drastisch reduzieren.
Im folgenden Leitfaden bekommst du eine praxistaugliche Schritt-für-Schritt-Anleitung, die sowohl den gesetzlichen Kontowechselservice als auch die manuelle Umstellung abdeckt. Du erfährst, welche Fristen du einplanen solltest, welche Zahlungspartner gern übersehen werden und welche Kontodaten du vor dem Wechsel unbedingt sichern solltest.
Schritt 1: Kläre zuerst den Grund für den Wechsel
Bevor du irgendetwas beantragst, lohnt sich ein kurzer Blick darauf, warum du wechseln willst. Das ist nicht nur „nice to have“, sondern hilft später bei der Auswahl des neuen Kontos und verhindert, dass du nach ein paar Monaten wieder wechselst.
Typische Wechselgründe sind:
- Kontoführungsgebühren oder gestiegene Gebührenmodelle
- zu teure Karten, schlechte Konditionen beim Dispo oder geringe Bargeldversorgung
- fehlende Funktionen wie Echtzeit-Überweisungen, Unterkonten, gute App, Push-Benachrichtigungen
- Ärger mit Support, Filiale, Sicherheit oder Kontosperren
- gemeinsames Konto, Trennung, Umzug, Berufsstart oder neue Familien-Situation
- bessere Konditionen bei einer anderen Bank für Gehaltseingang und Alltagszahlungen
Schreib dir in einem Satz auf, was am neuen Konto besser sein muss. Das ist später dein roter Faden.
Schritt 2: Prüfe, was dein neues Girokonto können muss
Ein Girokonto ist mehr als „kostenlos oder nicht“. Gerade beim Wechsel werden Details sichtbar, die im Alltag entscheidend sind. Nimm dir dafür fünf Minuten und hake die Punkte ab, die für dich wirklich relevant sind.
Wichtige Kriterien:
- monatliche Grundgebühr und Bedingungen (z. B. Mindestgeldeingang)
- Kosten für Girocard und Kreditkarte (inklusive Ersatzkarte)
- Bargeld: Abhebung im Inland, Ausland, eigene Automaten, Cashback im Handel
- Echtzeit-Überweisungen und Online-Banking-Funktionen
- Dispo: Zinssatz, eingeräumter Rahmen, faire Kommunikation bei Überziehung
- Gemeinschaftskonto möglich oder nicht
- Unterkonten, Budgets, Kategorien, Export-Funktion für Buchungen
- Service: Erreichbarkeit, Sperrhotline, Umgang mit Betrugsfällen
- Konto für Minderjährige oder Familienfunktionen, falls wichtig
Wenn du selbstständig bist oder Einnahmen schwanken, sind flexible Limits und gute Beleg-/Buchungsübersichten besonders wertvoll. Für Familien zählt oft der Überblick: getrennte Budgets, klare Ausgaben-Kategorien, einfache Verwaltung gemeinsamer Kosten.
Schritt 3: Eröffne das neue Konto und richte es vollständig ein
Eröffne das neue Girokonto, bevor du irgendetwas am alten Konto änderst. Das neue Konto muss „einsatzbereit“ sein, bevor Zahlungsströme umziehen.
Wichtige To-dos direkt nach der Kontoeröffnung:
- Online-Banking/App einrichten und Zugriff testen
- Zugangsdaten, TAN-Verfahren, Push-Freigaben sauber aktivieren
- Karten bestellen und testen (PIN setzen, erste Zahlung im Handel)
- Limits prüfen: Kartenzahlung, Abhebungen, Überweisungen
- Wunsch-PIN und Sicherheitsfunktionen aktivieren (Sperr-Optionen, Geo-Blocking, Benachrichtigungen)
- Optional: Dispo beantragen, wenn du ihn wirklich brauchst (und bewusst nutzt)
Achte außerdem darauf, dass dein Name, deine Anschrift und alle Kontaktdaten korrekt sind. Gerade beim Umstellen von Zahlungspartnern kann ein Schreibfehler später nervig werden.
Schritt 4: Entscheide dich für die Wechselmethode
Es gibt zwei saubere Wege, ein Girokonto zu wechseln. In der Praxis ist oft die beste Lösung eine Kombination aus beidem.
Methode A: Kontowechselservice (gesetzliche Kontenwechselhilfe)
Die neue Bank kann – wenn du das willst – die relevanten Zahlungsvorgänge bei der alten Bank anfordern und dir beim Umzug helfen. Gesetzlich sind dafür bestimmte Fristen vorgesehen, sodass der Wechsel zügig laufen soll. Typisch ist ein Ablauf mit klaren Zeitfenstern: Die neue Bank fordert Daten an, die alte Bank liefert Listen (z. B. Daueraufträge, Lastschriften, regelmäßige Zahlungseingänge der letzten Monate), und die neue Bank unterstützt beim Übertragen.
Methode B: Manuelle Umstellung
Du stellst alle Zahlungspartner selbst um. Das klingt nach mehr Arbeit, hat aber Vorteile: Du hast maximale Kontrolle, kannst „Datenmüll“ aussortieren und verpasst weniger Sonderfälle wie Zahlungen über Drittanbieter.
Eine gute Faustregel:
Nutze den Service für die Grundarbeit (Listen und Standard-Überträge) und mache die kritischen Dinge zusätzlich manuell (Gehalt, Miete, Versicherungen, wichtige Abos, Finanzamt, PayPal & Co.).
Schritt 5: Erstelle deine persönliche Zahlungspartner-Liste
Die meisten Probleme beim Kontowechsel entstehen nicht beim Konto selbst, sondern bei vergessenen Zahlungspartnern. Bau dir deshalb eine Liste, die du systematisch abarbeitest. Am einfachsten geht das über Kontoauszüge der letzten 3 bis 6 Monate.
Unterteile in vier Gruppen:
- Zahlungseingänge
- Arbeitgeber, Gehalt
- Kindergeld, Elterngeld, Unterhalt
- Renten, BAföG, sonstige Leistungen
- Erstattungen (Versicherer, Krankenkasse) – falls regelmäßig
- Lastschriften (SEPA)
- Miete (wenn per Lastschrift), Strom, Gas, Wasser, Internet, Mobilfunk
- Versicherungen (Haftpflicht, Hausrat, Kfz, Rechtsschutz, private Kranken-Zusatz etc.)
- Abos: Streaming, Software, Cloud, Zeitungen, Fitnessstudio, Vereine
- Spenden, Mitgliedschaften, Verbände
- Ratenkäufe und Finanzierungen, sofern per Lastschrift
- Überweisungen und Daueraufträge
- Miete (häufig als Dauerauftrag)
- Sparbeträge (Tagesgeld, Sparplan-Zuführung)
- Taschengeld, regelmäßige Transfers an Familie
- Unterhaltszahlungen, regelmäßige Rechnungen
- Karten- und Wallet-Zahlungen
- Zahlungsdienste wie PayPal, Apple Pay, Google Pay
- Händlerkonten mit hinterlegter IBAN (z. B. Marktplätze, Lieferdienste)
- wiederkehrende Kreditkarten-Abos
Diese Liste ist dein Sicherheitsnetz. Wenn du sie sauber abarbeitest, sinkt das Risiko, dass irgendetwas „durchrutscht“.
Schritt 6: Starte den Kontowechselservice
Wenn du den Kontowechselservice nutzen willst, startest du ihn bei der neuen Bank. Meist geschieht das im Online-Banking oder in der App. Dort gibst du Daten des alten Kontos an und erteilst eine Ermächtigung, damit die neue Bank Informationen anfordern und Schritte auslösen darf.
Typische Leistungen, die im Rahmen der Kontenwechselhilfe möglich sind:
- Anforderung einer Übersicht deiner Daueraufträge und Lastschriften
- Information deiner Zahlungspartner über die neue IBAN (je nach System und Zustimmung)
- Einrichtung oder Übertragung von Daueraufträgen
- auf Wunsch: Terminierung, ab wann die alte Bank bestimmte Zahlungen nicht mehr ausführt
- auf Wunsch: Übertrag des Restguthabens und Schließung des alten Kontos zu einem Datum
Wichtig: Eine Kontenwechselhilfe ist stark von Datenqualität und technischen Schnittstellen abhängig. Gerade bei Abos, die nicht sauber als Lastschrift erkennbar sind, oder bei Karten-Zahlungen greift sie nicht zuverlässig. Deshalb bleibt die manuelle Kontrolle entscheidend.
Schritt 7: Stelle die wichtigsten Zahlungspartner zuerst um
Jetzt kommt der Teil, der wirklich zählt. Priorisiere die Zahlungspartner, bei denen eine verpasste Umstellung sofort Ärger macht. Dafür eignet sich eine klare Reihenfolge.
Sehr hohe Priorität:
- Arbeitgeber (Gehalt)
- Miete (Dauerauftrag oder Überweisung)
- Strom/Gas (damit keine Mahnläufe starten)
- Krankenversicherung/Versicherungen mit existenzieller Bedeutung
- Kreditraten, Leasing, Unterhalt
Hohe Priorität:
- Internet/Mobilfunk
- Kfz-Versicherung, Kfz-Steuer (je nach Zahlungsart)
- Kita, Schule, Vereinsbeiträge der Kinder
- wichtige Abos, die du täglich nutzt
Mittlere Priorität:
- Streaming, Musik, kleinere Mitgliedschaften
- sonstige regelmäßige Lastschriften
Gerade beim Arbeitgeber gilt: Stelle frühzeitig um. Lohnläufe haben Vorlauf. Wenn du zu spät bist, geht das Gehalt einmal auf das alte Konto und du musst es umständlich selbst umbuchen. Das ist kein Drama, aber unnötig.
Schritt 8: Neue SEPA-Mandate verstehen und richtig handeln
Viele denken, Lastschriften „ziehen automatisch um“. In der Praxis ist es differenzierter. Bei einigen Zahlungspartnern reicht es, die neue IBAN mitzuteilen. Bei anderen musst du ein neues SEPA-Lastschriftmandat erteilen, besonders wenn der Anbieter darauf besteht oder wenn das System die Änderung nicht sauber übernimmt.
Damit du keine Rücklastschriften bekommst, gilt eine einfache Regel:
Wenn du unsicher bist, bestätige die Umstellung aktiv beim Anbieter (Kundenportal, Formular, Nachricht, schriftliche Bestätigung) und prüfe danach, ob die erste Abbuchung vom neuen Konto erfolgreich war.
Rücklastschriften können Gebühren und Mahnungen auslösen. Das willst du vermeiden, indem du bei kritischen Lastschriften lieber einmal zu viel bestätigst als einmal zu wenig.
Schritt 9: Daueraufträge sauber übertragen und prüfen
Daueraufträge gehören zu den häufigsten Stolperfallen, weil sie „unsichtbar“ sind. Einmal eingerichtet, denkt man nicht mehr darüber nach. Genau deshalb musst du sie aktiv prüfen.
Vorgehen:
- Liste aller Daueraufträge vom alten Konto ziehen (Banking-Übersicht oder Auszüge)
- im neuen Konto neu anlegen oder übertragen lassen
- Zahlungstermine prüfen: 1., 3., 15., Monatsende?
- Empfänger-IBAN prüfen und Verwendungszweck übernehmen
- bei Miete: lieber eine Erinnerung setzen, bis du zwei Monate sichere Zahlungshistorie auf dem neuen Konto hast
Achte auch auf Daueraufträge, die nur quartalsweise oder jährlich laufen, etwa für bestimmte Versicherungen oder Vereinsbeiträge. Diese werden gerne übersehen, weil sie in kurzen Zeiträumen nicht auftauchen.
Schritt 10: Plane eine Parallelphase mit zwei Konten ein
Der größte Profi-Tipp beim Girokonto-Wechsel ist eine saubere Parallelphase. Du lässt das alte Konto noch eine Zeit lang bestehen, obwohl das neue Konto bereits läuft. Dadurch fängst du verpasste Umstellungen ab, ohne dass Zahlungen platzen.
Bewährt hat sich:
- mindestens 4 bis 8 Wochen Parallelbetrieb
- bei vielen Zahlungspartnern oder unübersichtlichen Abos eher 2 bis 3 Monate
In dieser Zeit:
- bleibt ein Pufferbetrag auf dem alten Konto (damit unerwartete Abbuchungen nicht scheitern)
- gehen neue Einnahmen bereits auf das neue Konto
- laufen die meisten Ausgaben bereits über das neue Konto
- wird regelmäßig geprüft, ob noch etwas am alten Konto hängt
Die Parallelphase ist kein „unnötiger Luxus“, sondern die Versicherung gegen Ärger.
Schritt 11: Prüfe systematisch, ob noch Zahlungen am alten Konto hängen
Während der Parallelphase machst du alle 7 bis 10 Tage einen kurzen Check im alten Konto:
- Gab es neue Lastschriften?
- Gab es neue Daueraufträge?
- Gab es Zahlungseingänge?
- Wurde etwas zurückgebucht?
- Haben sich neue Zahlungspartner „gemeldet“, die du vergessen hast?
Wenn ja, stellst du diese Zahlungspartner sofort um. Nach ein paar Wochen wird es immer weniger, bis das alte Konto praktisch still ist.
Ein praktischer Trick:
Setze beim alten Konto eine Benachrichtigung für jede Kontobewegung. Dann verpasst du keine späte Abbuchung.
Schritt 12: Karten, Online-Dienste und Apps umstellen
Ein Bereich wird beim Kontowechsel auffällig oft vergessen: Zahlungen, die nicht direkt über IBAN-Lastschrift laufen, sondern über Karten oder hinterlegte Kontodaten in Apps.
Typische Kandidaten:
- PayPal: Bankkonto/IBAN hinterlegen und bevorzugtes Abbuchungskonto prüfen
- App-Stores: Zahlungsquelle im Apple- oder Google-Konto prüfen
- Mobilitätsdienste: Carsharing, E-Scooter, Bahn-Apps
- Marktplätze: Zahlungsarten in Shops und Portalen
- Abos über Kreditkarte: neue Karte hinterlegen, wenn sich Kartennummer ändert
Wenn du vom alten Konto auf das neue Konto wechselst, bleibt die Kartenseite oft gleich, wenn du die gleiche Kartenart weiter nutzt. Wechselst du aber das Institut, ändern sich Kartennummern, und dann scheitern Abos gern im Hintergrund. Das merkst du manchmal erst, wenn ein Dienst gesperrt wird.
Schritt 13: Sonderfälle: Gemeinschaftskonto, Trennung, Umzug, Pfändung, Selbstständigkeit
Ein Kontowechsel kann je nach Situation besondere Anforderungen haben. Hier sind die wichtigsten Sonderfälle, die du bewusst einplanen solltest.
Gemeinschaftskonto
Wenn ihr ein gemeinsames Konto nutzt, sollte klar sein, wer welche Zahlungen umstellt und wie die Ausgaben künftig organisiert werden. Besonders wichtig: gemeinsame Daueraufträge, gemeinsame Abos, Versicherungen, Kosten für Kinder.
Trennung
Hier ist es sinnvoll, Zahlungsströme sehr bewusst zu trennen und möglichst schnell Klarheit zu schaffen, wer welches Konto nutzt. Gleichzeitig ist eine kurze Parallelphase hilfreich, um Streit durch geplatzte Zahlungen zu vermeiden.
Umzug
Beim Umzug kommen viele neue Zahlungspartner hinzu (Energie, Internet, ggf. neue Versicherungsdaten). Das kann den Wechsel erschweren. Plane mehr Zeit und mehr Puffer ein.
Pfändungsschutzkonto
Wenn ein Konto als Pfändungsschutzkonto geführt wird, sind Umstellungen besonders sensibel. Hier sollte man exakt prüfen, welche Schutzmechanismen nötig sind und ob das neue Konto diese Konstellation korrekt abbilden kann.
Selbstständigkeit
Bei Selbstständigen hängen oft zahlreiche Zahlungspartner, Steuervorauszahlungen und Kundenzahlungen am Konto. Eine lange Parallelphase und eine sehr gründliche Zahlungspartner-Liste sind hier Pflicht.
Schritt 14: Dispo, Kreditkarte und Schufa-Aspekte realistisch einordnen
Viele wechseln das Girokonto auch, weil sie bessere Konditionen beim Dispo oder bei Karten wollen. Wichtig ist dabei: Ein Dispokredit ist keine automatische Funktion, sondern eine Kreditentscheidung der Bank. Es kann sein, dass du beim neuen Konto zunächst keinen oder nur einen kleinen Dispo bekommst, selbst wenn du vorher einen hattest.
Wenn du auf den Dispo angewiesen bist, plane den Wechsel so, dass du während der Übergangsphase nicht in Engpässe rutschst. Ein Puffer auf dem neuen Konto ist dann besonders wichtig.
Bei Kreditkarten gilt: Manche Banken geben echte Kreditkarten, andere eher Debitkarten. Für Hotelkautionen oder Mietwagen kann das relevant sein. Prüfe das vor dem Wechsel, wenn du solche Situationen regelmäßig hast.
Schritt 15: Typische Probleme und wie du sie vermeidest
Ein Kontowechsel scheitert selten am „Konto“, sondern fast immer an Timing und vergessenen Zahlungen. Diese Fehler treten besonders häufig auf:
- Miete oder Kreditrate wurde nicht umgestellt, weil ein alter Dauerauftrag vergessen wurde
- Strom, Internet oder Versicherungen buchen noch vom alten Konto ab und laufen ins Minus
- Gehalt kommt einmal auf das alte Konto, weil die Umstellung zu spät war
- Abos über Kreditkarte scheitern, weil eine neue Kartennummer nicht hinterlegt wurde
- das alte Konto wurde zu früh geschlossen, obwohl noch Abbuchungen liefen
So schützt du dich:
- Parallelphase einplanen
- Pufferbetrag auf dem alten Konto lassen
- die 10 wichtigsten Zahlungspartner manuell umstellen
- Kontoauszüge der letzten Monate nutzen, nicht nur „aus dem Kopf“
- erst schließen, wenn 4 bis 8 Wochen keine Bewegung mehr war
Schritt 16: Das alte Konto richtig schließen
Erst wenn du sicher bist, dass keine relevanten Zahlungen mehr über das alte Konto laufen, solltest du schließen. Das Schließen kann oft direkt bei der alten Bank beauftragt werden, häufig mit einem gewünschten Datum.
Vor dem Schließen unbedingt:
- Restguthaben übertragen
- Kontoauszüge und Dokumente sichern (PDF-Archiv, Steuerunterlagen, Nachweise)
- Karten zerschneiden oder sicher entsorgen, sobald das Konto definitiv geschlossen ist
- prüfen, ob noch ein Dispo offen ist und ausgleichen
- letzte Kontobewegungen kontrollieren
Wenn du sehr gründlich sein willst, setze dir nach der Schließung noch eine Erinnerung für 4 Wochen: „Wurde irgendwo noch die alte IBAN verwendet?“. Das ist selten, aber es gibt manchmal verspätete Rückerstattungen oder Nachberechnungen.
Schritt 17: Nach dem Wechsel: Budget, Ordnung und Routine verbessern
Ein Kontowechsel ist eine gute Gelegenheit, die Finanzen gleich mit aufzuräumen. Viele merken plötzlich, wie viele Abos und Verträge sich angesammelt haben. Nutze diesen Moment, um dauerhafte Ordnung zu schaffen.
Praktische Verbesserungen:
- Kategorien im Banking aktivieren und einmal im Monat 10 Minuten prüfen
- unnötige Abos kündigen, statt sie nur „mitzunehmen“
- feste Sparbeträge direkt nach Gehaltseingang automatisieren
- Unterkonten nutzen, wenn du für Urlaub, Rücklagen oder große Rechnungen planst
- Push-Benachrichtigungen für größere Abbuchungen aktivieren
Wer hier einmal sauber arbeitet, spart später Zeit, Geld und Nerven.
Häufige Fragen zum Girokonto-Wechsel
Wie lange dauert ein Girokonto-Wechsel typischerweise?
Mit Kontowechselservice soll der Prozess grundsätzlich zügig ablaufen. Realistisch ist trotzdem: Plane lieber einige Wochen Parallelbetrieb ein, damit keine Zahlung verloren geht. Je mehr Zahlungspartner du hast, desto länger sollte die Parallelphase sein.
Muss ich alle Zahlungspartner selbst informieren?
Der Kontowechselservice kann unterstützen, aber nicht alles abdecken. Kritische Zahlungspartner wie Arbeitgeber, Vermieter, wichtige Versicherungen und Kreditraten solltest du immer zusätzlich selbst umstellen.
Kann ich das alte Konto sofort kündigen, wenn das neue Konto steht?
Das ist möglich, aber riskant. Besser ist eine Übergangszeit, in der beide Konten parallel laufen, damit du vergessene Abbuchungen auffängst.
Was ist mit Lastschriften, die nur einmal pro Jahr kommen?
Genau diese werden oft vergessen. Deshalb sind Kontoauszüge über mehrere Monate hilfreich und eine Liste unregelmäßiger Zahlungen sollte extra gepflegt werden.
Was passiert, wenn eine Lastschrift noch vom alten Konto abgebucht wird?
Wenn genug Guthaben vorhanden ist, passiert nichts Schlimmes, außer dass die Zahlung eben noch dort läuft. Wenn nicht genug Guthaben da ist, drohen Rücklastschrift und Mahnkosten. Ein Pufferbetrag während der Parallelphase ist deshalb so wichtig.
Zusammenfassung
Ein Girokonto zu wechseln ist heute gut machbar, wenn du in der richtigen Reihenfolge vorgehst. Zuerst wird das neue Konto vollständig eingerichtet, dann werden Zahlungspartner strukturiert umgestellt: Einnahmen, Lastschriften, Daueraufträge und Karten- bzw. App-Zahlungen. Der Kontowechselservice kann dabei helfen, ersetzt aber nicht die manuelle Kontrolle bei den wichtigsten Zahlungen. Der entscheidende Sicherheitsfaktor ist eine Parallelphase, in der beide Konten eine Zeit lang laufen und du mit einem Puffer auf dem alten Konto vergessene Abbuchungen abfängst. Wer zusätzlich Kontoauszüge zur Zahlungspartner-Liste nutzt und Schritt für Schritt abarbeitet, minimiert das Risiko von Rücklastschriften, Mahnungen oder verpassten Zahlungseingängen deutlich.
Fazit
Ein Kontowechsel muss kein Stressprojekt sein, wenn du ihn wie einen klaren Ablauf behandelst: Neues Konto startklar machen, die wichtigsten Zahlungspartner zuerst umstellen, beide Konten vorübergehend parallel führen und erst schließen, wenn das alte Konto wirklich „still“ ist. So behältst du Kontrolle, vermeidest unnötige Gebühren durch geplatzte Zahlungen und nutzt den Wechsel gleichzeitig als Chance, Verträge und Abos aufzuräumen. Am Ende steht nicht nur ein neues Girokonto, sondern meist auch ein besserer Überblick über Einnahmen und Ausgaben und damit ein spürbar entspannterer Alltag.