Eine Risikolebensversicherung gehört zu den wichtigsten Absicherungen für Familien und Menschen mit finanziellen Verpflichtungen. Sie zahlt im Todesfall eine vereinbarte Summe an die Hinterbliebenen aus. Damit können laufende Kredite, etwa eine Immobilienfinanzierung, oder der Lebensunterhalt abgesichert werden. Anders als eine Kapitallebensversicherung dient sie ausschließlich der Risikoabsicherung und nicht dem Vermögensaufbau.
Gerade weil es um existenzielle Risiken geht, sollte der Abschluss gut durchdacht sein. Beiträge unterscheiden sich deutlich, ebenso Leistungen und Vertragsbedingungen. Wer eine Risikolebensversicherung abschließt, sollte deshalb nicht nur auf den Preis achten, sondern die Details genau prüfen.
Für wen ist sie besonders wichtig?
Eine Risikolebensversicherung ist vor allem sinnvoll, wenn andere Menschen finanziell von dir abhängig sind. Das betrifft insbesondere:
- Familien mit Kindern
- Paare mit gemeinsamem Immobilienkredit
- Alleinerziehende
- Selbstständige mit finanziellen Verpflichtungen
- Unverheiratete Paare mit gemeinsamer Finanzierung
Wer keine unterhaltsberechtigten Personen hat und keine größeren Kredite bedient, benötigt diese Absicherung in der Regel nicht zwingend. Die zentrale Frage lautet: Würde dein Wegfall für andere eine erhebliche finanzielle Lücke hinterlassen?
Die richtige Versicherungssumme festlegen
Einer der wichtigsten Punkte ist die Höhe der Versicherungssumme. Sie sollte so gewählt werden, dass im Ernstfall laufende Verpflichtungen gedeckt sind.
Als grobe Orientierung gelten:
- Drei- bis Fünffaches des Bruttojahreseinkommens
- Offene Darlehensrestschuld
- Zusätzliche Mittel für Lebenshaltungskosten der Familie
Beispiel:
Bruttojahreseinkommen 60.000 Euro
Offener Immobilienkredit 250.000 Euro
Eine Versicherungssumme von 300.000 bis 400.000 Euro kann hier sinnvoll sein, abhängig von der familiären Situation.
Wer kleine Kinder hat, sollte berücksichtigen, dass über viele Jahre Einkommensersatz notwendig sein kann.
Laufzeit passend zur Verpflichtung wählen
Die Laufzeit sollte sich an deinen finanziellen Verpflichtungen orientieren. Bei einer Immobilienfinanzierung empfiehlt es sich, die Versicherung mindestens bis zur voraussichtlichen Schuldenfreiheit laufen zu lassen.
Typische Laufzeiten sind 20, 25 oder 30 Jahre. Wird die Laufzeit zu kurz gewählt, endet der Schutz möglicherweise, bevor das finanzielle Risiko entfällt.
Ein strukturierter Gedankengang hilft:
Zuerst prüfen, wie lange Kredite laufen.
Dann überlegen, bis wann Kinder finanziell abhängig sind.
Anschließend Laufzeit entsprechend festlegen.
So vermeidest du eine Absicherungslücke.
Gesundheitsfragen ehrlich beantworten
Beim Abschluss müssen umfangreiche Gesundheitsfragen beantwortet werden. Diese sind entscheidend für die Risikoprüfung.
Wichtig ist:
- Alle Fragen vollständig und wahrheitsgemäß beantworten
- Arztbesuche und Diagnosen korrekt angeben
- Keine Informationen verschweigen
Falsche oder unvollständige Angaben können im Leistungsfall dazu führen, dass die Versicherung nicht zahlt. Das Risiko ist hier erheblich.
Wer unsicher ist, kann vorab eine anonyme Risikovoranfrage über einen spezialisierten Berater stellen.
Beitragshöhe – wovon sie abhängt
Die Beiträge einer Risikolebensversicherung sind vergleichsweise günstig, insbesondere bei jungen und gesunden Antragstellern.
Die wichtigsten Einflussfaktoren sind:
- Eintrittsalter
- Gesundheitszustand
- Raucherstatus
- Beruf
- Versicherungssumme
- Laufzeit
Ein 30-jähriger Nichtraucher zahlt für 300.000 Euro Absicherung oft nur einen niedrigen zweistelligen Monatsbetrag. Ein Raucher oder älterer Antragsteller muss deutlich mehr einkalkulieren.
Früher Abschluss zahlt sich deshalb aus.
Fallende oder konstante Versicherungssumme?
Neben der klassischen Variante mit konstanter Versicherungssumme gibt es auch Tarife mit fallender Summe. Diese eignen sich besonders zur Absicherung von Immobilienkrediten, da die Restschuld mit der Zeit sinkt.
Konstante Summe:
- Gleiche Auszahlung während der gesamten Laufzeit
- Sinnvoll bei Einkommensabsicherung für Familie
Fallende Summe:
- Beitrag meist günstiger
- Gut bei reiner Kreditabsicherung
Die Entscheidung hängt davon ab, ob nur der Kredit oder zusätzlich der Lebensunterhalt abgesichert werden soll.
Bezugsberechtigung klar regeln
Im Vertrag wird festgelegt, wer im Todesfall die Auszahlung erhält. Diese Bezugsberechtigung sollte klar und eindeutig formuliert sein.
Bei unverheirateten Paaren ist besondere Aufmerksamkeit erforderlich, da sonst steuerliche Nachteile entstehen können. Hier kann eine sogenannte verbundene Risikolebensversicherung sinnvoll sein, bei der beide Partner versichert sind.
Steuerliche Aspekte
Die Auszahlung einer Risikolebensversicherung ist grundsätzlich einkommensteuerfrei. Allerdings kann sie unter die Erbschaftsteuer fallen, wenn bestimmte Freibeträge überschritten werden.
Ehegatten haben hohe Freibeträge, unverheiratete Partner hingegen deutlich geringere. In solchen Fällen sollte die Vertragsgestaltung steuerlich geprüft werden.
Dynamik und Nachversicherungsgarantie
Einige Tarife bieten eine Dynamik an. Dabei erhöht sich die Versicherungssumme regelmäßig automatisch, meist um 2 bis 5 Prozent pro Jahr. So bleibt der Schutz inflationsangepasst.
Die Nachversicherungsgarantie erlaubt es, bei bestimmten Ereignissen wie Geburt eines Kindes oder Immobilienkauf die Versicherungssumme ohne erneute Gesundheitsprüfung zu erhöhen.
Diese Optionen erhöhen die Flexibilität erheblich und sollten geprüft werden.
Typische Fehler vermeiden
Beim Abschluss treten häufig folgende Fehler auf:
- Zu niedrige Versicherungssumme
- Laufzeit zu kurz gewählt
- Gesundheitsfragen unvollständig beantwortet
- Nur auf günstigsten Beitrag geachtet
- Bezugsberechtigung nicht eindeutig geregelt
Gerade der Preisvergleich sollte nicht alleiniger Entscheidungsfaktor sein. Vertragsbedingungen und Leistungsdetails sind ebenso wichtig.
Beispielhafte Absicherungssituation
Ein Ehepaar mit zwei Kindern finanziert ein Haus. Restschuld: 320.000 Euro. Beide verdienen jeweils 50.000 Euro brutto.
Eine sinnvolle Lösung kann sein:
- Jeder Partner versichert 400.000 Euro
- Laufzeit 25 Jahre
- Konstante Versicherungssumme
So wäre im Todesfall eines Partners der Kredit gedeckt und zusätzlich finanzielle Stabilität gegeben.
Fazit: Absicherung mit Weitblick planen
Risikolebensversicherung – worauf achten? Entscheidend sind Versicherungssumme, Laufzeit, ehrliche Gesundheitsangaben und klare Vertragsgestaltung. Die Police soll existenzielle Risiken abfedern, nicht nur einen Kredit tilgen.
Wer frühzeitig abschließt, passende Summen wählt und Flexibilitätsoptionen berücksichtigt, schafft eine stabile Grundlage für die finanzielle Sicherheit der Familie. Eine durchdachte Absicherung ist oft günstiger, als viele vermuten – und im Ernstfall unbezahlbar wertvoll.
Häufige Fragen zur Risikolebensversicherung
Wie hoch sollte die Versicherungssumme sein?
Als Orientierung gelten drei- bis fünf Jahresbruttoeinkommen plus offene Kredite. Bei Familien mit kleinen Kindern sollte zusätzlich der langfristige Einkommensbedarf berücksichtigt werden.
Ist eine Risikolebensversicherung steuerlich absetzbar?
Die Beiträge können im Rahmen der Vorsorgeaufwendungen begrenzt steuerlich berücksichtigt werden. Die Auszahlung im Todesfall ist in der Regel einkommensteuerfrei.
Kann ich den Vertrag später anpassen?
Viele Tarife bieten Nachversicherungsgarantien bei bestimmten Ereignissen. Ohne solche Optionen ist eine Anpassung nur mit erneuter Gesundheitsprüfung möglich.
Lohnt sich eine verbundene Police für Paare?
Für Ehepaare oder Partner mit gemeinsamer Finanzierung kann eine verbundene Risikolebensversicherung sinnvoll und kostengünstig sein. Sie zahlt beim Tod eines Partners einmalig aus.
Was passiert bei Vorerkrankungen?
Vorerkrankungen können zu Risikozuschlägen oder Ausschlüssen führen. Eine anonyme Risikovoranfrage vor Antragstellung ist hier empfehlenswert.