Wie hoch sollte meine ETF-Sparrate sein

Lesedauer: 14 Min
Aktualisiert: 25. Februar 2026 12:38

Die passende Sparrate hängt vor allem von deinem Einkommen, deinen Fixkosten, deinem Sicherheitsbedürfnis und deinen Zielen ab. Als grobe Orientierung liegen für viele Menschen zwischen 10 und 20 Prozent des Nettoeinkommens in einem sinnvollen Bereich, sofern ein Notgroschen vorhanden ist und keine teuren Schulden bestehen.

Statt nach einer Einheitslösung zu suchen, lohnt es sich, systematisch vorzugehen: Erst Cash-Reserve und Schulden prüfen, dann finanzielle Ziele definieren, anschließend eine zu deinem Alltag passende Sparrate festlegen und bei Bedarf später anpassen.

Grundprinzipien für eine sinnvolle Sparrate

Bevor Zahlen im Vordergrund stehen, ist es wichtig, ein paar Grundregeln zu verstehen. Sie helfen dir zu entscheiden, wie viel du überhaupt investieren solltest und wann du lieber vorsichtig bleibst.

1. Erst Sicherheit, dann investieren

Wenn du keine Rücklage für unerwartete Ausgaben hast, ist eine hohe Sparrate in Wertpapiere riskant. Ein kaputter Kühlschrank, eine Autoreparatur oder ein Jobwechsel können dich sonst dazu zwingen, Anteile in einer schlechten Marktphase zu verkaufen.

Bewährt hat sich: Drei bis sechs Monatsausgaben als Notgroschen auf einem leicht zugänglichen Konto parken. Erst wenn diese Reserve steht, solltest du nennenswerte Beträge regelmäßig investieren.

2. Teure Schulden haben Vorrang

Hast du Konsumkredite oder einen überzogenen Dispokredit, frisst der Zinsvorteil solcher Anlagen meist der Schuldzins wieder auf. In dem Fall ist eine hohe Sparrate selten sinnvoll, solange teure Verbindlichkeiten nicht deutlich reduziert oder abbezahlt sind.

Eine pragmatische Lösung ist, zunächst einen kleinen Notgroschen aufzubauen und dann den Großteil des frei verfügbaren Geldes in die Tilgung hochverzinster Schulden zu stecken.

3. Deine Ziele bestimmen die Höhe

Ob du 50 Euro, 300 Euro oder 1.000 Euro im Monat investierst, ist stark von deinen Plänen abhängig: Altersvorsorge, frühere Teilzeitarbeit, Weltreise, Immobilienkauf oder finanzielle Unabhängigkeit führen zu völlig unterschiedlichen Zielbeträgen.

Je ambitionierter das Ziel und je kürzer der Zeitraum, desto höher muss die Sparrate ausfallen – oder du musst mit Abstrichen bei der Zielsumme rechnen.

4. Langfristigkeit schlägt Perfektion

Eine „perfekte“ Sparrate auf dem Papier bringt nichts, wenn du sie im Alltag nicht durchhältst. Entscheidend ist, dass du einen Betrag wählst, den du über Jahre oder Jahrzehnte relativ entspannt durchziehen kannst.

Es ist besser, mit einem gut tragbaren Betrag zu starten und später zu erhöhen, als sich anfangs zu überfordern und nach ein paar Monaten frustriert wieder aufzuhören.

Wie du deine persönliche Sparrate Schritt für Schritt ableitest

Statt aus dem Bauch heraus eine Zahl auszuwählen, hilft eine einfache Abfolge von Entscheidungen. So kommst du zu einem Betrag, der zu deinem finanziellen Spielraum und deinen Zielen passt.

Schritt 1: Haushaltsrechnung erstellen

Der erste Baustein ist ein realistischer Überblick über deine Finanzen. Ohne zu wissen, wie viel wirklich übrig bleibt, ist jede Sparrate geraten.

  • Notiere dein durchschnittliches monatliches Nettoeinkommen.
  • Erfasse alle Fixkosten wie Miete, Strom, Versicherungen, Abos, Kredite, Mobilität.
  • Schätze deine variablen Ausgaben für Lebensmittel, Freizeit, Kleidung und Ähnliches.
  • Berechne die Differenz: Einkommen minus Ausgaben = potenzieller Sparbetrag.

Alles, was nach Abzug deiner Ausgaben übrig bleibt, ist dein Spielraum. Aus diesem freien Betrag speist sich deine Sparrate und gegebenenfalls eine zusätzliche Rücklage.

Schritt 2: Notgroschen und Schulden klären

Nun prüfst du, ob du stabil genug aufgestellt bist, um wirklich regelmäßig zu investieren. Dabei helfen zwei Fragen: Wie viele Monatsausgaben hast du als Rücklage und welche Schulden bestehen?

  • Notgroschen: Ziel sind drei bis sechs Monatsausgaben.
  • Schulden: Zinssatz, Restlaufzeit und Monatstilgung betrachten.

Wenn du weit von deinem Notgroschenziel entfernt bist, kannst du einen Teil deiner Sparrate zunächst dafür verwenden, diese Reserve aufzubauen. Sind teure Schulden vorhanden, sollten sie im Zweifel vorgehen.

Schritt 3: Ziele und Zeithorizont festlegen

Der Zweck deines Vermögensaufbaus beeinflusst stark, wie hoch die nötige Sparrate ausfallen sollte. Überlege dir, wofür du investierst und wann du das Geld voraussichtlich brauchst.

  • Altersvorsorge: meist ein sehr langer Zeitraum (20–40 Jahre).
  • Mittelfristige Ziele: zum Beispiel Eigenkapital für eine Wohnung in 8–15 Jahren.
  • Kurzfristige Ziele: größere Ausgaben in wenigen Jahren (hier sind riskante Anlagen eher ungeeignet).

Je länger der Anlagehorizont, desto stärker kann der Zinseszinseffekt wirken und desto entspannter darf die Sparrate ausfallen, um eine bestimmte Summe zu erreichen.

Schritt 4: Realistische Sparquote wählen

Wenn dein freier Betrag feststeht und deine Ziele klar sind, leitest du eine passende Sparquote ab. Eine Sparquote ist der Anteil deines Nettoeinkommens, den du zurücklegst.

Als grobe Daumenregel gelten folgende Bereiche, sofern Notgroschen und Schulden im Griff sind:

  • 5–10 %: erster solider Einstieg, sinnvoll bei knappem Budget oder instabilen Einnahmen.
  • 10–20 %: für viele Berufstätige ein guter Bereich für spürbaren Vermögensaufbau.
  • Über 20 %: beschleunigter Aufbau, sinnvoll bei hohem Einkommen oder sehr klaren Zielen.

Entscheidend ist, dass diese Quote auch dann machbar bleibt, wenn unerwartete Ausgaben auftreten. Plane lieber Puffer ein, statt jeden Monat bis auf den letzten Euro verplant zu sein.

Schritt 5: Automatisieren und später anpassen

Ist eine Rate gefunden, solltest du sie automatisieren. Ein Dauerauftrag kurz nach Gehaltseingang sorgt dafür, dass du nicht jeden Monat neu entscheiden musst.

Einmal im Jahr kannst du prüfen, ob Einkommen, Ausgaben oder Ziele sich verändert haben. Steigt dein Gehalt, kannst du einen Teil des Zuwachses in eine höhere Sparrate umleiten, ohne dass sich dein Lebensstandard verschlechtert.

Wie viel ist genug? Orientierung mit Beispielrechnungen

Um ein Gefühl zu bekommen, wie stark die Wirkung regelmäßiger Einzahlungen über längere Zeiträume ist, lohnt sich ein Blick auf vereinfachte Rechenbeispiele. Die realen Werte können schwanken, doch zur Orientierung ist das hilfreich.

Angenommen, du investierst monatlich einen festen Betrag über 30 Jahre und erzielst im Mittel eine Rendite von 5 Prozent pro Jahr. Dann ergeben sich überschlägig diese Größenordnungen:

  • 100 Euro pro Monat: etwa ein mittlerer fünfstelliger Bereich nach 30 Jahren.
  • 300 Euro pro Monat: niedriger bis mittlerer sechsstelliger Bereich.
  • 600 Euro pro Monat: mittlerer sechsstelliger Bereich, je nach Verlauf der Märkte.

Aus solchen Spannen kannst du ableiten, welche Summe sich bei einem bestimmten Zeitraum mit einer bestimmten Sparrate annähern lässt. Willst du deutlich höhere Beträge erreichen, kannst du die Sparrate anheben oder den Zeitraum verlängern.

Wenn-dann-Logik für typische Lebenssituationen

Unterschiedliche Lebensphasen erfordern unterschiedliche Entscheidungen. Es gibt kein universelles Modell, aber einige typische Muster helfen bei der Orientierung.

Wenn du Berufsanfänger bist

Wenn du gerade erst ins Berufsleben eingestiegen bist, schwanken oft die Ausgaben, und noch nicht alles ist eingespielt. Gleichzeitig ist dein größter Vorteil die Zeit.

Wenn dein Einkommen noch eher niedrig ist, kann eine Rate von 5–10 Prozent deines Nettos ein guter Start sein. Erhöhungen sind später möglich, wenn das Gehalt steigt und du deinen Lebensstil nicht in gleichem Maß anpasst.

Wenn du Familie und hohe Fixkosten hast

Mit Kindern, Miete oder Kredit und steigenden Lebenshaltungskosten kann der Spielraum enger sein. Dann ist es wichtig, dass die Sparrate den Alltag nicht zu sehr unter Druck setzt.

Wenn es knapp ist, dann ist es völlig in Ordnung, vorübergehend eine kleinere Rate zu wählen und sie später zu erhöhen, sobald das Einkommen wächst oder Ausgaben sinken, zum Beispiel nach der Kita-Zeit.

Wenn du überdurchschnittlich verdienst

Mit hohem Einkommen hast du deutlich mehr Gestaltungsspielraum. Dennoch verleiten steigende Einnahmen schnell zu steigendem Konsum.

Wenn du frühzeitig einen höheren Anteil deines Nettoeinkommens zur Seite legst, etwa 20–30 Prozent, verschaffst du dir viel Freiheit für spätere Entscheidungen wie früheres Ausscheiden aus dem Beruf oder längere Auszeiten.

Wenn du kurz vor der Rente stehst

In den letzten Berufsjahren ist der Anlagehorizont kürzer, und Schwankungen können stärker ins Gewicht fallen. Extrem hohe neue Anlagen in sehr schwankungsanfällige Märkte können riskant sein, wenn du das Geld bald brauchst.

Wenn das Rentenalter nahe ist, solltest du sorgfältig prüfen, wie viel du tatsächlich noch investieren möchtest und wie hoch das Risiko sein darf. Hier sind oft eher stabile Finanzpolster und Liquidität wichtiger als maximale Rendite.

Praxisbeispiele mit Zahlen

Praxisbeispiel 1: Alleinstehend, 2.500 Euro netto

Angenommen, du verdienst 2.500 Euro netto im Monat. Deine Fixkosten betragen 1.400 Euro, deine variablen Ausgaben 600 Euro. Es bleiben 500 Euro frei zur Verfügung.

Wenn du bereits einen Notgroschen von etwa 5.000 Euro hast und keine Konsumschulden, könntest du zum Beispiel 300 Euro pro Monat investieren und 200 Euro für spontane Ausgaben und zusätzliche Rücklagen behalten. Bezogen auf dein Einkommen wären das rund 12 Prozent Sparquote.

Praxisbeispiel 2: Paar mit Kind, 4.000 Euro netto gemeinsam

Ein Paar hat gemeinsames Nettoeinkommen von 4.000 Euro. Fixkosten (Miete, Versicherungen, Kita, Auto, Lebensmittel) liegen bei 2.800 Euro, variable Ausgaben bei 700 Euro. Es bleiben 500 Euro übrig.

Wenn bereits etwa drei Monatsausgaben als Notgroschen vorhanden sind, wäre eine gemeinsame Sparrate von 200 bis 300 Euro realistisch, ohne den Alltag zu sehr einzuschränken. Das entspricht etwa 5–7,5 Prozent des gemeinsamen Nettoeinkommens.

Praxisbeispiel 3: Gutverdiener, 5.500 Euro netto

Stell dir vor, du verdienst 5.500 Euro netto und hast Fixkosten von 2.000 Euro sowie variable Ausgaben von 1.000 Euro. Dein freier Betrag liegt bei 2.500 Euro im Monat.

Wenn du finanziell abgesichert bist und langfristige Ziele verfolgst, könntest du 1.000 bis 1.500 Euro investieren, also rund 18–27 Prozent deines Nettoeinkommens. Gleichzeitig bleibt dir weiterhin viel Spielraum für Freizeit und größere Anschaffungen.

Wie du eine zu dir passende Rate im Alltag umsetzt

Die beste Planung scheitert oft im Alltag, wenn das Geld auf dem Konto sichtbar bleibt und nach und nach ausgegeben wird. Eine klare Struktur hilft dir, deine Sparrate dauerhaft beizubehalten.

Einnahmen und Ausgaben klar trennen

Lege ein separates Konto für deine Rücklagen und Investitionen an. Dein Gehalt fließt auf dein Hauptkonto, von dem per Dauerauftrag deine Sparrate und dein Notgroschenanteil abgehen.

Was auf dem Alltagskonto bleibt, darfst du ruhigen Gewissens ausgeben, denn der Betrag für deine Ziele ist bereits beiseitegelegt.

Sparrate bei Gehaltserhöhungen anpassen

Wenn dein Einkommen steigt, ist die Versuchung groß, automatisch mehr auszugeben. Du kannst dies umgehen, indem du einen festen Teil jeder Gehaltserhöhung direkt in eine höhere Sparrate umwandelst.

Eine häufig genutzte Methode: Die Hälfte der Erhöhung fließt in den Vermögensaufbau, die andere Hälfte in deinen Lebensstandard. So wächst dein Vermögen deutlich schneller, ohne dass du auf Verbesserungen verzichten musst.

Unregelmäßige Einnahmen und Schwankungen

Wenn du selbstständig bist oder variable Boni bekommst, kann eine starre monatliche Rate schwierig sein. In diesem Fall kann es sinnvoll sein, eine Mindestrate festzulegen und bei höheren Einnahmen eine flexible Zusatzrate zu investieren.

Du kannst zum Beispiel quartalsweise Bilanz ziehen und einen Teil der Überschüsse zurücklegen. So bleibst du beweglich, ohne dein Konzept aufzugeben.

Psychologische Aspekte der Sparrate

Geldentscheidungen sind selten rein rational. Wie wohl du dich mit deiner Sparrate fühlst, beeinflusst, ob du langfristig am Ball bleibst.

Überforderung vermeiden

Wenn du jeden Monat das Gefühl hast, dich massiv einschränken zu müssen, um deine Rate zu halten, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass du das Vorhaben irgendwann abbrichst.

Eine leichte Herausforderung ist sinnvoll, ständiger Druck dagegen nicht. Wenn du merkst, dass du dauernd an deine Grenzen kommst, senke die Rate lieber etwas und halte sie dafür konsequent durch.

Motivation durch sichtbare Fortschritte

Regelmäßige Einzahlungen können sich anfangs langsam anfühlen, weil die Summen noch klein sind. Sichtbare Meilensteine helfen, motiviert zu bleiben.

Du kannst dir beispielsweise Zwischenziele setzen, etwa jede neue fünfstellige Summe oder ein bestimmtes Verhältnis von Erspartem zu Monatsausgaben. Je mehr diese Ziele greifbar werden, desto leichter fällt dir die Disziplin.

Typische Fehler bei der Wahl der Sparrate

Manche Stolperfallen wiederholen sich bei vielen Menschen und lassen sich gut vermeiden, wenn du sie kennst.

Zu hohe Rate ohne Puffer

Ein verbreiteter Fehler ist, nahezu den kompletten Überschuss zu investieren und keinen Puffer zu lassen. Sobald unvorhergesehene Ausgaben kommen, musst du deine Rate aussetzen oder sogar Anteile verkaufen.

Besser ist es, einen Teil des freien Betrags für spontane Kosten auf dem Konto zu lassen und die Sparrate so zu wählen, dass du nicht in Versuchung kommst, sie ständig anzupassen.

Unterschätzung laufender Kosten

Wer nur die offensichtlichen Fixkosten betrachtet, vergisst schnell Jahresbeiträge, Urlaube, Geschenke oder Reparaturen. Dann wirkt der verfügbare Betrag auf dem Papier größer, als er tatsächlich ist.

Trage regelmäßig wiederkehrende, aber nicht monatliche Ausgaben als monatlich umgerechnete Posten ein. So erkennst du realistischer, wie viel deiner Einnahmen langfristig wirklich frei ist.

Starres Festhalten trotz Lebensveränderungen

Eine Sparrate, die vor einigen Jahren gut gepasst hat, muss heute nicht mehr ideal sein. Jobwechsel, Kinder, Wohnortwechsel oder neue Ziele verändern deine Ausgangslage.

Wenn sich dein Leben ändert, ist es sinnvoll, deine Rate einmal bewusst zu überprüfen, statt stur an der alten Vorgabe festzuhalten.

Orientierung nach Altersgruppen

Dein Lebensalter ist nur ein Faktor unter vielen, kann aber als grober Rahmen dienen, um die eigene Rate einzuordnen.

20er: Zeit als größter Hebel

In deinen 20ern ist dein Einkommen oft noch niedriger, aber du hast viele Jahrzehnte vor dir. Jeder heute investierte Euro hat die Chance, lange zu wachsen.

Selbst wenn die Sparrate noch relativ klein ist, legst du damit den Grundstein. Spätere Erhöhungen können an die Gehaltsentwicklung gekoppelt werden.

30er: Sparrate stabilisieren und steigern

In dieser Phase steigen Einkommen und Verantwortung meist gleichzeitig. Viele Menschen gründen Familie oder kaufen eine Immobilie, was den Spielraum zunächst einschränkt.

Trotzdem ist es sinnvoll, eine stabile Sparrate zu etablieren und mit jeder Gehaltssteigerung schrittweise zu erhöhen, um die wichtige Aufbauphase optimal zu nutzen.

40er und 50er: Aufholen oder ausbauen

Wer bisher wenig beiseitegelegt hat, kann jetzt mit zielgerichteter Planung noch aufholen, insbesondere bei gutem Einkommen. Etwas höhere Sparquoten sind in dieser Phase oft machbar.

Wenn du bereits gut aufgestellt bist, kannst du gezielt prüfen, ob du deine Pläne vorziehen möchtest, etwa eine frühere Reduzierung der Arbeitszeit oder längere Auszeiten.

FAQ

Wie finde ich eine Anfangssparrate, wenn ich unsicher bin?

Starte mit einem Betrag, der sich im Alltag nicht schmerzhaft anfühlt, zum Beispiel 5 bis 10 Prozent deines Nettoeinkommens. Beobachte zwei bis drei Monate, ob du damit gut zurechtkommst und erhöhe dann bei Bedarf schrittweise.

Wichtiger als eine hohe Summe ist, dass du überhaupt beginnst und deine Entscheidung später anpassen kannst.

Sollte ich erst meinen Notgroschen voll aufbauen und dann investieren?

Wenn du noch gar keine Rücklage hast, ist es sinnvoll, den Aufbau des Notgroschens zu priorisieren. Du kannst aber auch zweigleisig fahren, etwa einen größeren Teil in die Reserve und einen kleineren Teil in Anlagen fließen lassen.

So gewöhnst du dich früh an das regelmäßige Zurücklegen von Geld und baust dennoch Sicherheit auf.

Was mache ich, wenn meine Ausgaben schwanken?

Lege eine konservative Sparrate fest, die auch in schwächeren Monaten tragbar ist. In Monaten mit höheren Überschüssen kannst du zusätzlich einmalige Beträge investieren.

Alternativ kannst du deine Rate alle paar Monate anhand eines Durchschnittswertes aus den letzten Einnahmen- und Ausgabenmonaten anpassen.

Ist eine sehr hohe Sparrate auf Dauer sinnvoll?

Eine hohe Sparrate beschleunigt deinen Vermögensaufbau, kann aber zu Frust führen, wenn du dich zu stark einschränkst. Auf Dauer ist es wichtiger, eine für dich angenehme Balance zwischen Lebensqualität heute und finanzieller Zukunft zu finden.

Wenn du merkst, dass der Druck zu groß ist, ist ein bewusst reduzierter, aber langfristig stabiler Betrag oft die bessere Wahl.

Wie oft sollte ich meine Sparrate überprüfen?

Eine jährliche Überprüfung reicht in vielen Fällen aus, zum Beispiel zum Jahreswechsel oder nach dem Steuerbescheid. Prüfe dann Einkommen, Ausgaben und Ziele und passe die Rate behutsam an.

Bei größeren Lebensveränderungen wie Jobwechsel, Familienzuwachs oder Umzug kann eine zusätzliche Zwischenprüfung sinnvoll sein.

Kann ich mit einer kleinen Sparrate überhaupt etwas erreichen?

Auch kleine Beträge wirken über lange Zeiträume eindrucksvoll. Durch den Zinseszinseffekt wächst das Vermögen mit der Dauer zunehmend schneller.

Wichtiger als die anfängliche Höhe ist, dass du dranbleibst und die Rate irgendwann erhöhst, wenn dein Einkommen steigt oder Ausgaben sinken.

Was ist, wenn ich einen Immobilienkredit habe?

Ein laufender Immobilienkredit ist an sich kein Hindernis für regelmäßiges Sparen, wenn die Rate solide tragbar ist. Wichtig ist, dass du deine Verpflichtungen sicher tragen kannst und dennoch etwas Spielraum für langfristige Vorsorge bleibt.

Bei sehr hoher Kreditbelastung kann es sinnvoll sein, einen Teil des Spielraums für Sondertilgungen zu nutzen und nur einen moderaten Betrag regelmäßig zu investieren.

Wie gehe ich vor, wenn ich unregelmäßig Boni oder Prämien erhalte?

Definiere eine Grundrate, die du aus deinem festen Einkommen bedienen kannst, und lege fest, welcher Anteil von Prämien automatisch zusätzlich investiert wird, zum Beispiel 50 Prozent. So nutzt du Sonderzahlungen gezielt für deinen Vermögensaufbau.

Den Rest kannst du für größere Ausgaben oder Wünsche verwenden, ohne dein langfristiges Ziel aus den Augen zu verlieren.

Soll ich meine Rate senken, wenn die Märkte fallen?

Fallende Kurse sind unangenehm, aber für langfristig orientierte Anleger oft sogar eine Chance, weil regelmäßige Käufe dann zu niedrigeren Durchschnittskosten führen. Wer langfristig denkt, behält die Rate in der Regel bei.

Nur wenn deine persönliche Situation sich verschlechtert, etwa durch Jobverlust, macht eine vorübergehende Anpassung der Sparrate Sinn.

Was, wenn ich mehrere Ziele gleichzeitig habe?

Ordne deine Ziele nach Wichtigkeit und Zeithorizont und verteile deine Sparrate entsprechend. Ein Teil kann für langfristige Vorsorge, ein anderer für mittelfristige Pläne vorgesehen sein.

So behältst du den Überblick und kannst bei Bedarf die Gewichtung verändern, ohne dein gesamtes System neu aufzusetzen.

Wie kann ich verhindern, dass ich meine Sparrate immer wieder „plündere“?

Trenne dein Alltagskonto klar von deinen Rücklagen und Investitionen und plane regelmäßige, aber begrenzte Budgets für spontane Ausgaben ein. Wenn du dir bewusst etwas für Freizeit und Wünsche zugestehst, sinkt die Versuchung, auf deine langfristigen Rücklagen zuzugreifen.

Außerdem hilft es, den Zugriff auf Anlagekonten etwas umständlicher zu gestalten, damit impulsive Entscheidungen unwahrscheinlicher werden.

Fazit

Die passende Sparrate ist eine sehr individuelle Größe, die von Einkommen, Ausgaben, Sicherheitspolster und persönlichen Zielen abhängt. Eine Bandbreite von 10 bis 20 Prozent des Nettoeinkommens ist für viele ein guter Orientierungswert, muss aber zur eigenen Lebenssituation passen.

Wichtiger als jede Zahl ist, dass du strukturiert vorgehst, dir eine dauerhaft tragbare Rate setzt und sie im Laufe der Zeit an veränderte Umstände und Ziele anpasst.

Checkliste
  • Notiere dein durchschnittliches monatliches Nettoeinkommen.
  • Erfasse alle Fixkosten wie Miete, Strom, Versicherungen, Abos, Kredite, Mobilität.
  • Schätze deine variablen Ausgaben für Lebensmittel, Freizeit, Kleidung und Ähnliches.
  • Berechne die Differenz: Einkommen minus Ausgaben = potenzieller Sparbetrag.


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