Wie Banken Festgeldzinsen kalkulieren

Lesedauer: 14 Min
Aktualisiert: 19. März 2026 00:03

Festgeld wirkt für viele Sparer angenehm einfach. Du legst einen Betrag für eine feste Laufzeit an, bekommst einen festen Zinssatz und weißt von Anfang an, was am Ende herauskommt. Genau diese Einfachheit führt aber oft zu einer falschen Vorstellung: Viele glauben, Banken würden Festgeldzinsen fast direkt aus dem Leitzins ableiten oder nach einer simplen Formel festlegen. In der Praxis ist die Kalkulation deutlich vielschichtiger. Festgeld ist zwar für den Kunden ein schlichtes Produkt, für die Bank aber ein Baustein in ihrer gesamten Refinanzierung, Liquiditätsplanung und Wettbewerbsstrategie. Festgeld bedeutet eine feste Laufzeit und einen vorher vereinbarten festen Zins; vor Ablauf der Laufzeit ist das Geld in der Regel nicht verfügbar. 

Entscheidend ist: Eine Bank zahlt Festgeldzinsen nicht aus Großzügigkeit, sondern weil sie das Geld für einen bestimmten Zeitraum einwerben will und dafür einen Preis festlegt. Dieser Preis muss für die Bank wirtschaftlich sinnvoll sein. Er muss hoch genug sein, um Einlagen anzuziehen, aber niedrig genug, damit die Mittel für die Bank noch profitabel bleiben. Deshalb können zwei Banken am selben Tag für dieselbe Laufzeit spürbar unterschiedliche Zinsen anbieten, obwohl sie im selben Währungsraum und unter denselben Leitzinsen arbeiten. Die Zinssätze auf Einlagen werden von Banken selbst festgelegt; die Bundesbank erfasst sie als volumengewichtete Durchschnittssätze im Neugeschäft. 

Für Sparer ist genau das wichtig. Wer versteht, wie Banken Festgeldzinsen kalkulieren, kann Angebote realistischer einordnen. Dann wirkt ein ungewöhnlich hoher Satz nicht automatisch wie ein Geschenk, und ein eher durchschnittlicher Satz nicht automatisch wie ein schlechtes Angebot. Stattdessen wird klarer, welche Rolle Leitzins, Laufzeit, Liquiditätsbedarf, Wettbewerb, Vertriebskosten und Sicherheitswahrnehmung wirklich spielen. Gleichzeitig hilft dieses Verständnis dabei, nicht nur auf die höchste Zahl zu schauen, sondern auch auf Laufzeit, Einlagensicherung und Seriosität des Anbieters. Festgeld ist grundsätzlich durch die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank geschützt, zugleich wird ausdrücklich vor unseriösen Festgeldangeboten im Internet gewarnt. 

Was bei Festgeld eigentlich vereinbart wird

Festgeld ist aus Sicht des Kunden eine Einmalanlage mit fester Laufzeit und festem Zinssatz. Du gibst der Bank also Planungssicherheit: Das Geld bleibt für die vereinbarte Dauer im Haus, und die Bank muss während dieser Zeit nicht damit rechnen, dass du spontan darauf zugreifst. Genau diese Planbarkeit unterscheidet Festgeld von Tagesgeld. Während Tagesgeld variabel verzinst ist und täglich verfügbar bleibt, bekommt die Bank bei Festgeld verlässlichere Mittel für einen genau definierten Zeitraum. Die BaFin beschreibt Festgeld als Anlage mit festgelegter Laufzeit und fest vereinbartem Zins; die Laufzeit kann von einem Monat bis zu mehreren Jahren reichen. 

Für die Bank ist das wichtig, weil sie ihre Passivseite, also die Herkunft ihrer Mittel, möglichst passend zu ihrer Aktivseite planen möchte. Eine Bank sammelt Geld nicht nur, damit es auf Konten liegt, sondern um Liquidität zu steuern, Kredite zu vergeben, Fristen auszubalancieren und Refinanzierungsquellen zu mischen. Festgeld ist dabei nicht das einzige Instrument, aber ein gut kalkulierbarer Baustein. Genau deshalb hängen Festgeldzinsen nicht nur davon ab, wie hoch die Zinsen „am Markt“ ungefähr sind, sondern auch davon, wie attraktiv diese feste Bindung für die Bank in genau diesem Zeitraum ist. 

Die EZB setzt die Grundlinie, aber nicht den fertigen Festgeldzins

Wenn über Festgeld gesprochen wird, taucht fast immer schnell der EZB-Leitzins auf. Das ist sinnvoll, aber nur als Ausgangspunkt. Aktuell liegt der Satz für die Einlagefazilität des Eurosystems bei 2,00 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,15 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,40 Prozent; diese Sätze blieben nach dem EZB-Beschluss vom 5. Februar 2026 unverändert. Die Einlagefazilität ist dabei besonders wichtig, weil Banken überschüssige Liquidität dort über Nacht parken und dafür den Einlagesatz erhalten können. 

Für die Kalkulation von Festgeld bedeutet das: Der Einlagesatz der EZB ist eine Art Referenz, aber kein fertiger Festgeldzins. Wenn eine Bank überschüssiges Geld notfalls über Nacht zu 2,00 Prozent bei der Zentralbank parken kann, dann wird sie Festgeld nicht völlig losgelöst davon bepreisen. Gleichzeitig ist Festgeld keine Overnight-Einlage. Es bindet Mittel für Monate oder Jahre. Deshalb spielen zusätzliche Fragen hinein: Braucht die Bank dieses Geld überhaupt? Für wie lange? Welche Alternativen zur Refinanzierung hat sie? Wie viel Wettbewerb gibt es gerade um Einlagen? Genau deswegen laufen Festgeldzinsen nicht eins zu eins mit dem EZB-Satz mit. 

Ein typisches Missverständnis ist deshalb die Annahme, ein Einlagesatz von 2,00 Prozent müsse automatisch bedeuten, dass einjährige Festgelder ungefähr 2,00 Prozent oder etwas darüber bringen. Das kann vorkommen, muss aber nicht. Eine Bank kann bei starkem Einlagenbedarf darübergehen, bei geringerem Bedarf darunter bleiben oder bestimmte Laufzeiten besonders offensiv bepreisen, während andere unattraktiv wirken. Der Leitzins liefert also das Umfeld, aber die Bank setzt den konkreten Preis selbst. 

Refinanzierung ist der eigentliche Kern der Kalkulation

Banken finanzieren sich nicht nur über Kundeneinlagen. Sie haben mehrere Refinanzierungsquellen: Eigenmittel, Kundeneinlagen, Geldmarkt, Kapitalmarkt und Zentralbankgeschäfte. Festgeld ist nur eine dieser Quellen. Ob Festgeldzinsen hoch oder niedrig ausfallen, hängt deshalb stark davon ab, wie attraktiv Festgeldeinlagen im Vergleich zu anderen Refinanzierungswegen gerade sind. Wenn eine Bank Liquidität günstig anderweitig beschaffen kann oder bereits reichlich Einlagen hat, muss sie Sparern nicht besonders viel bieten. Wenn sie dagegen gezielt stabile Kundeneinlagen braucht, steigt die Bereitschaft, attraktivere Sätze zu zahlen. Die Einlagefazilität und die Hauptrefinanzierungssätze der EZB machen genau diese Alternativen sichtbar. 

Daraus folgt etwas sehr Praktisches: Festgeldzinsen spiegeln nicht nur das allgemeine Zinsniveau, sondern auch den individuellen Bedarf einer Bank. Eine stark wachsende Bank, die mehr Kredite finanzieren oder ihre Einlagenbasis verbreitern will, kann aggressiver auftreten. Eine etablierte Bank mit hohem Einlagenüberhang und starkem Filialnetz muss das nicht tun. Genau deshalb sind bessere Zinsen oft nicht einfach Ausdruck „größerer Fairness“, sondern ein Zeichen dafür, dass Einlagen für diese Bank im Moment wirtschaftlich besonders wertvoll sind. 

Laufzeit ist nicht nur ein Detail, sondern ein Preisfaktor

Viele Sparer erwarten automatisch, dass längere Laufzeiten immer höhere Zinsen bringen. Das klingt logisch: Wer sein Geld länger bindet, möchte mehr bekommen. In der Praxis stimmt das nur teilweise. Bei Festgeld können längere Laufzeiten höhere Zinsen haben, sie müssen es aber nicht. Die Verbraucherzentrale weist ausdrücklich darauf hin, dass längere Laufzeiten höhere Zinsen bringen können, das aber von der Marktlage abhängt. 

Warum ist das so? Weil Banken bei der Kalkulation nicht nur die Gegenwart betrachten, sondern auch ihre Zins- und Refinanzierungserwartungen. Wenn sie glauben, dass das allgemeine Zinsniveau künftig eher sinkt, können längere Festgelder für sie attraktiv sein, weil sie sich Geld noch heute zu einem festen Satz sichern. Dann sind längere Laufzeiten oft gut verzinst. Wenn sie dagegen mit künftig höheren Refinanzierungskosten oder mehr Unsicherheit rechnen, kann es sein, dass mittlere oder lange Laufzeiten weniger attraktiv bepreist werden. Dann entsteht keine saubere „je länger, desto höher“-Linie, sondern eine gestaffelte Zinskurve mit Brüchen. 

Für Sparer ist das ein wichtiger Punkt. Ein gutes Festgeldangebot ist nicht nur der höchste Zins, sondern die Kombination aus Laufzeit und Zinssatz, die zur eigenen Planung passt. Wer sich zu lange bindet, nur weil irgendwo ein paar Basispunkte mehr winken, kann später unflexibel werden. Wer zu kurz bindet, obwohl ein passender längerer Zeitraum gut verzinst wäre, verzichtet eventuell auf Planungssicherheit. Genau deshalb sollte Laufzeit nie nur als Nebensache gelesen werden.

Wettbewerb macht Festgeldzinsen beweglich

Festgeld wird nicht im luftleeren Raum bepreist. Banken beobachten sehr genau, was andere Anbieter tun. Gerade Direktbanken oder Banken, die über Vergleichsportale stark Kundengelder einsammeln, reagieren oft sensibel auf das Zinsumfeld und auf Konkurrenzangebote. Wenn eine Bank weiß, dass Sparer innerhalb weniger Minuten mehrere Angebote vergleichen können, steigt der Druck, mit einem sichtbaren Satz im Markt aufzutauchen. Das erklärt, warum gerade online vermarktete Festgeldangebote häufig dynamischer sind als Zinsen klassischer Hausbanken. Die Verbraucherzentrale Hamburg und andere Verbraucherzentralen pflegen Zinsvergleiche gerade deshalb laufend, weil die Unterschiede zwischen Anbietern erheblich sein können. 

Wettbewerb führt aber nicht automatisch dazu, dass alle Banken die besten Zinsen zahlen. Manche Institute setzen bewusst auf Bequemlichkeit, Bekanntheit oder Filialnähe und akzeptieren, dass sie nicht an der Spitze stehen. Andere arbeiten offensiver mit befristeten Aktionen, um schnell Volumen einzusammeln. Solche Angebote sind oft Teil einer Kalkulation, die nicht nur den reinen Zins betrachtet, sondern auch die Kundengewinnung, Cross-Selling-Chancen und die gewünschte Laufzeitenstruktur der Einlagenbasis. Das erklärt, warum dieselbe Laufzeit bei einem Anbieter 2,1 Prozent und beim anderen 2,6 Prozent bringen kann. 

Vertriebskosten und Geschäftsmodell spielen mit hinein

Nicht jede Bank hat dieselbe Kostenstruktur. Eine reine Direktbank arbeitet anders als ein großes Filialinstitut. Das wirkt sich nicht nur auf Gebühren, sondern auch auf Einlagenzinsen aus. Eine Bank mit niedrigerem Vertriebsaufwand kann theoretisch eher einen Teil davon an Sparer weitergeben. Eine Bank mit dichtem Filialnetz, höherem Personalaufwand und stärkerer Serviceinfrastruktur kann einen Teil ihrer Margen anders kalkulieren. Auch deshalb sind Top-Zinsen am Markt oft eher bei schlanken Direktanbietern zu finden als bei klassischen Häusern mit großem Filialapparat. Die BaFin beschreibt Festgeld und Tagesgeld als Bankprodukte, deren Angebote in Deutschland und im EU-Ausland stark variieren; genau diese Vielfalt hängt auch mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen zusammen. 

Für Sparer folgt daraus: Ein niedrigerer Zinssatz ist nicht immer ein Zeichen dafür, dass die Bank „schlecht kalkuliert“. Es kann schlicht heißen, dass diese Bank auf andere Stärken setzt und weniger aggressiv um Einlagen wirbt. Umgekehrt ist ein besonders guter Zinssatz nicht automatisch verdächtig, solange er im realistischen Marktumfeld bleibt und von einem seriösen Anbieter stammt. Erst wenn ein Angebot deutlich über dem plausiblen Marktniveau liegt oder über intransparente Vermittler läuft, wird Vorsicht wichtig. Genau davor wird ausdrücklich gewarnt. 

Marketingaktionen verzerren das Bild kurzfristig

Viele Festgeldzinsen sind nicht einfach neutrale Spiegel des Marktes, sondern Teil von Vertriebsaktionen. Eine Bank möchte Sichtbarkeit auf einem Vergleichsportal, zusätzliche Kundengelder zu einem bestimmten Zeitpunkt oder gezielt Einlagen in einer bestimmten Laufzeit. Dann wird der Zinssatz für genau diese Laufzeit für eine gewisse Zeit angehoben, während andere Laufzeiten weniger attraktiv bleiben.

Für Sparer ist das wichtig, weil solche Aktionen oft den Eindruck erwecken, die gesamte Bank sei besonders zinssstark. In Wirklichkeit ist manchmal nur ein einziges Laufzeitfenster sehr offensiv bepreist. Wenn du also verstehen willst, wie Banken Festgeldzinsen kalkulieren, solltest du nicht nur den einen Aktionssatz lesen, sondern die ganze Laufzeitenmatrix ansehen. Oft zeigt sich dann schnell, welche Laufzeiten strategisch wichtig sind und welche eher nur mitlaufen. Dass Zinssätze je nach Laufzeit und Anbieter stark variieren, ist im Festgeldmarkt normal. 

Einlagensicherung beeinflusst nicht direkt die Formel, aber stark die Wahrnehmung

Rein technisch ist die Einlagensicherung kein Zinssatzbestandteil wie der Leitzins oder die Laufzeit. Für die Wahrnehmung der Sparer ist sie aber extrem wichtig, und damit indirekt auch für die Kalkulation. In Deutschland und EU-weit gilt grundsätzlich eine gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank. Diese Grenze ist für Festgeld zentral, weil das Produkt gerade wegen seiner Kalkulierbarkeit und Sicherheit nachgefragt wird. 

Wenn ein Anbieter außerhalb der vertrauten Hausbankwelt besonders hohe Zinsen bietet, fragen viele zuerst nach der Sicherung und nach dem Sitz der Bank. Das ist sinnvoll. Denn auch wenn die gesetzliche Sicherungsgrenze EU-weit harmonisiert ist, spielt die Sicherheitswahrnehmung des jeweiligen Landes, des Einlagensicherungssystems und des Anbieters eine große Rolle. Banken, bei denen Sparer mehr Überzeugungsarbeit brauchen, müssen oft mit attraktiveren Zinsen locken. Diese höhere Verzinsung ist dann gewissermaßen ein Preis dafür, dass Kunden Unsicherheit oder Distanz akzeptieren sollen. 

Das heißt nicht, dass jedes Auslandsangebot problematisch ist. Es heißt nur: Ein überdurchschnittlicher Zinssatz hat fast immer einen Grund. Mal ist es akuter Liquiditätsbedarf, mal aggressiver Wettbewerb, mal eine andere Kostenstruktur und mal ein höherer Vertrauensabschlag auf Kundenseite. Wer das versteht, liest hohe Zinsen weniger naiv.

Warum lange nicht jede Zinssenkung der EZB sofort beim Festgeld ankommt

Ein weiterer häufiger Irrtum ist die Erwartung, dass Festgeldzinsen sofort und gleichmäßig mit jeder EZB-Entscheidung mitlaufen. In Wirklichkeit reagieren Banken unterschiedlich schnell. Manche passen neue Angebote rasch an, andere lassen bestehende Konditionen eine Weile stehen, weil sie noch Einlagen einsammeln wollen oder ihr Finanzierungsmix das zulässt. Zudem arbeiten Banken mit verschiedenen Laufzeiten. Ein Tagesgeldsatz reagiert meist direkter auf das kurzfristige Zinsumfeld als ein dreijähriges Festgeld, bei dem Erwartungen für längere Zeiträume eine größere Rolle spielen. Die EZB steuert die kurzfristigen Leitzinsen, während Banken ihre Einlagenzinsen eigenständig festlegen. 

Deshalb ist auch die umgekehrte Beobachtung normal: Selbst wenn der Leitzins schon gesunken ist, können einzelne Festgeldangebote noch eine Zeit lang ordentlich aussehen. Das ist kein Widerspruch, sondern Teil der Bankkalkulation. Wer als Sparer in solchen Phasen vergleicht, kann gute Fenster erwischen. Wer dagegen blind davon ausgeht, „jetzt muss doch alles sofort fallen“, unterschätzt die Trägheit und den Wettbewerb im Markt.

Was Sparer aus der Kalkulation ableiten sollten

Für Sparer ist der wichtigste Schluss ziemlich praktisch: Ein guter Festgeldzins ist nie isoliert zu betrachten. Er ist immer das Ergebnis aus Zinsumfeld, Laufzeit, Wettbewerb, Refinanzierungsbedarf, Sicherheitswahrnehmung und Geschäftsmodell der Bank. Deshalb ist es sinnvoll, Angebote nicht nur nach Höhe, sondern nach Plausibilität zu sortieren.

Hilfreich sind dabei vor allem diese Fragen:

  • Passt die Laufzeit wirklich zu meinem Plan?
  • Liegt der Zinssatz im nachvollziehbaren Marktbereich?
  • Ist der Anbieter seriös und direkt die Bank, nicht nur ein undurchsichtiger Vermittler?
  • Bleibe ich unter der Sicherungsgrenze pro Bank?
  • Ist das Angebot eine echte Festgeldanlage oder steckt etwas Komplizierteres dahinter?

Gerade der letzte Punkt wird unterschätzt. Festgeld sollte einfach sein. Wenn ein Angebot ungewöhnlich kompliziert aussieht, mehrere Vermittlungsebenen hat oder auffällig aggressiv beworben wird, ist Vorsicht angebracht. Sicherheitsorientierte Produkte müssen nicht spannend wirken. Sie sollten nachvollziehbar und sauber strukturiert sein. Vor betrügerischen Festgeldvermittlungen und unseriösen Online-Angeboten wird ausdrücklich gewarnt. 

Drei typische Situationen, in denen Festgeldzinsen falsch gelesen werden

Die Hausbank zahlt weniger als ein Onlineanbieter

Viele schließen daraus sofort, die Hausbank sei unfair. Das kann sein, muss es aber nicht. Oft liegt der Unterschied schlicht daran, dass die Hausbank weniger aggressiv um Einlagen werben muss, während der Onlineanbieter gezielt Volumen einsammelt und mit einem schlankeren Vertriebsmodell arbeitet. Unterschiedliche Geschäftsmodelle und Wettbewerbssituationen führen im Festgeldmarkt ganz normal zu unterschiedlichen Zinsen. 

Eine längere Laufzeit bringt plötzlich nicht mehr Zins

Das irritiert viele Sparer, ist aber kein Fehler. Wenn Banken für bestimmte Zeiträume andere Zins- und Refinanzierungserwartungen haben, kann eine mittlere Laufzeit attraktiver verzinst sein als eine sehr lange. Dass längere Laufzeiten nicht automatisch höhere Zinsen bringen, ist ausdrücklich von der Marktlage abhängig. 

Ein auffällig hohes Angebot wirkt wie ein Geheimtipp

Hier wird es gefährlich. Ein etwas überdurchschnittlicher Zins kann ein normaler Wettbewerbszug sein. Ein Zinssatz, der weit außerhalb des plausiblen Marktniveaus liegt oder nur über dubiose Vermittlungswege erreichbar sein soll, ist eher ein Warnsignal. Vor genau solchen Konstruktionen wird ausdrücklich gewarnt. 

Häufige Fragen zu Festgeldzinsen

Warum zahlen Banken für Festgeld überhaupt Zinsen?

Weil sie sich über Festgeld für eine feste Laufzeit Geld beschaffen. Für diese planbaren Einlagen zahlen sie einen Preis, der für ihre Refinanzierung sinnvoll sein muss. Festgeld ist aus Sicht der Bank ein stabiler Einlagenbaustein, aus Sicht des Kunden eine feste Anlage mit festem Zins. 

Hängen Festgeldzinsen direkt am EZB-Leitzins?

Nicht direkt, aber deutlich. Die EZB-Leitzinsen bilden das Umfeld, vor allem über die Einlagefazilität und andere Refinanzierungsmöglichkeiten. Den konkreten Festgeldzins setzt aber jede Bank selbst. 

Warum bieten manche Banken deutlich mehr Zins als andere?

Weil Banken unterschiedliche Einlagenbedarfe, Geschäftsmodelle und Vertriebskosten haben. Manche werben offensiv um neue Kundengelder, andere weniger. Deshalb können die Unterschiede im Markt spürbar sein. 

Bringen längere Laufzeiten immer höhere Zinsen?

Nein. Das kann so sein, muss aber nicht. Ob längere Laufzeiten besser verzinst werden, hängt von der Marktlage und den Erwartungen der Banken ab. 

Warum reagieren Festgeldzinsen oft langsamer als der Leitzins?

Weil Festgeld nicht nur am kurzfristigen Zins hängt, sondern auch an Laufzeiten, Wettbewerb und Refinanzierungserwartungen. Banken passen ihre Angebote deshalb nicht immer sofort und nicht immer gleichmäßig an. 

Ist ein sehr hoher Festgeldzins automatisch unseriös?

Nicht automatisch. Ein überdurchschnittlicher Satz kann einfach ein aggressives Wettbewerbsangebot sein. Wenn ein Angebot aber deutlich außerhalb des plausiblen Marktumfelds liegt oder über undurchsichtige Vermittler läuft, ist Vorsicht geboten. 

Welche Rolle spielt die Einlagensicherung?

Sie ist für die Sicherheitswahrnehmung zentral. Bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank gilt grundsätzlich gesetzlicher Schutz. Gerade bei unbekannteren Anbietern sollte diese Grenze sauber mitgedacht werden. 

Warum zahlen Direktbanken oft mehr als Filialbanken?

Häufig liegt das an niedrigerem Vertriebsaufwand und stärkerem Wettbewerb um online vergleichbare Kundeneinlagen. Das ist kein Naturgesetz, aber ein typisches Marktbild. 

Sollte ich immer einfach das höchste Angebot nehmen?

Nicht automatisch. Wichtig sind auch Laufzeit, Einlagensicherung, Seriosität des Anbieters und die Frage, ob das Angebot direkt von einer Bank kommt oder über einen fragwürdigen Vermittler. 

Was ist für Sparer der wichtigste Lernpunkt?

Festgeldzinsen entstehen nicht willkürlich und auch nicht nach einer einzigen Formel. Sie sind das Ergebnis aus Zinsumfeld, Laufzeit, Wettbewerb und Bankstrategie. Wer das versteht, vergleicht Angebote ruhiger und realistischer. 

Fazit

Wie Banken Festgeldzinsen kalkulieren lässt sich nicht auf den Leitzins allein reduzieren. Der EZB-Satz liefert die Grundlinie, aber der konkrete Festgeldzins entsteht erst aus der Mischung von Refinanzierung, Laufzeit, Wettbewerb, Vertriebskosten und Sicherheitswahrnehmung. Genau deshalb können Angebote im selben Markt spürbar auseinanderliegen, ohne dass eines automatisch „falsch“ wäre. 

Für Sparer ist der wichtigste Schluss deshalb einfach: Ein guter Festgeldzins ist nicht nur hoch, sondern auch plausibel, sicher und passend zur eigenen Laufzeit. Wer nur auf die höchste Zahl schaut, übersieht leicht, warum sie überhaupt angeboten wird. Wer dagegen versteht, wie Banken rechnen, kann Angebote viel besser einordnen und fällt seltener auf unpassende oder unseriöse Konstruktionen herein. 

Checkliste
  • Passt die Laufzeit wirklich zu meinem Plan?
  • Liegt der Zinssatz im nachvollziehbaren Marktbereich?
  • Ist der Anbieter seriös und direkt die Bank, nicht nur ein undurchsichtiger Vermittler?
  • Bleibe ich unter der Sicherungsgrenze pro Bank?
  • Ist das Angebot eine echte Festgeldanlage oder steckt etwas Komplizierteres dahinter?


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